Über meine Person und über diese Seite

Ich bin 1930 in Barcelona geboren. Meine Schulzeit stand unter dem Schatten der Franco Diktatur, das heisst, dass ich meine Sprache, Katalanisch, -die aus dem öffentlichen Leben verbannt war- nicht in der Schule lernen konnte und ich sie nur indirekt und fehlerhaft durch einige geretteten Bücher und alte Zeitschriften lernte. Ich absolvierte die Handelshochschule (in etwa entsprechend der deutschen BWL), arbeitete als Büroangestellter, und als Autodidakt interessierte ich mich immer mehr für Kunst und Literatur. Ich lernte dann richtig Katalanisch in Unterrichtsstunden für Erwachsene, die ein unerschrockener katalanischer Schriftsteller untergrundartig organisiert hatte, und gab später die erworbenen Kenntnisse weiter an junge Leute meines Alters auf dieselbe Weise hinter verschlossenen Türen.

Eine damalige minimale Öffnung des Regimes machte allmählich möglich das Erscheinen von einigen Bücher auf Katalanisch, meistens Lyrik, die dem Regime weniger gefährlich erschien. Dadurch konnte ich unsere Dichter lesen und schätzenlernen und habe ich mich selber als Jungdichter gewagt. Ich gewann damals mit meinen Gedichten zwei bescheidene Preise und einen Dritten gewann ich später 2002 schon als alter Mann.

1960, entmutigt und genervt von den persönlichen Beschränkungen des Lebens unter der Diktatur, emigrierte ich nach Deutschland, wo ich seitdem in Hamburg lebe und geheiratet habe. Ich habe aber ständig die Ereignisse in meiner Heimat verfolgt und in Deutschland immer versucht, wenn die Information über Katalonien in den deutschen Medien meines Erachtens nicht korrekt war, höflich darauf hinzuweisen und eine Gegendarstellung angeboten.

Und das ist weiterhin der Sinn dieser Webseite. Eine immer noch wachsende Zahl von Katalanen hat es satt bekommen, Opfer einer aberwitzige spanischen Politik zu sein, die -was Katalonien betrifft- in subtilerer Form noch viele Ziele der Francozeit verfolgt. Der jetzige Ruf der Katalanen nach Unabhängigkeit findet in Deutschland viel Unverständnis, und dieses Unverständnis wird noch gefördert durch eine Medieninformation, die von der Propaganda der spanischen Politik sehr beeinflusst wird.

Diese Webseite will keine Propagandapostille für die Unabhängigkeit Kataloniens sein. Was ich versuchen möchte, ist einfach Fakten darzulegen. Fakten, mit denen ich beweisen möchte, dass wir Katalanen kein verrücktes, egoistisches, unsolidarisches Volk sind, sondern ein offenes und sehr solidarisches, das es aber satt hat, von den spanischen Zentralregierungen gebremst, hintergangen und grundschlecht verwaltet zu werden.

Etwas noch dass ich als sehr wichtig erachte. Seitens der Katalanen gibt es keinen Hass gegen das spanische Volk. Nur eine entschiedene Ablehnung der Methoden ihrer Politikern. Man findet aber leider allzuoft Beispiele von Hass einiger Spaniern gegen Katalonien (davon werden Sie hier einige Proben finden). Hass ist ein zu schlechter Berater, um Zeit damit zu vergeuden. Und noch eines: Wie die überwältigende Mehrheit der Katalanen, die jetzt die Unabhängigkeit unbedingt wollen erachtete ich früher als besser, eine Lösung (Föderale, konföderale), die uns ein einträchtiges Miteinander mit dem Rest Spanien ermöglicht hätte. Die Zeit und die Unversöhnlichkeit der spanische Politik hat aber letzten Endes diese Illusionen zerstört.

Mit diesen Seiten also möchte ich dazu beitragen das Verständnis meiner deutschen Mitbürger für meine katalanischen Landsleute zu verbessern. Ob es mir gelingt, werden nur meine Leser sagen können.

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9 Kommentare

  1. Gerardo

    Hola Pere,

    danke für deine Beiträge zum besseren Verständnis de Katalonienkonflikts für Deutsche.
    In der Tertulia Española Düsseldorf – gemischt spanisch-deutsch-lateinamerikanisch – ist Katalonien in letzter Zeit öfters ein Thema.

    Ich habe eine Frage: Gibt es zuverlässige Zahlen zum regionalen Finanzausgleich in Spanien? In deutschen Medien lese ich gelegentlich, dass Katalonien netto 8 % des Bruttoinlandsproduktes nach Madrid überweist, und im Vergleich dazu Bayern 0,8 – 1 % nach Berlin. Lässt sich das so vergleichen oder gibt es zu große systemische Unterschiede?

    Saludo
    Gerardo
    http://www.spanisch-stammtisch-duesseldorf.de
    Co-fundador y Co-organizador

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    • Pere Grau Rovira

      Lieber Gerardo,
      Es gibt gewiss systemische Unterschiede. Ein wesentliches ist es, dass es in Deutschland klare und vereinbarte Regeln gibt zwischen Bund und Länder. In Spanien aber ist es anders. Katalonien, z.B. hat nur über wenig als 5 % der in das Land eingenommenen Steuer die freie Verfügung. Der Rest muss an Madrid überwiesen werden, und dann bestimmt eben Madrid was davon wohin verwendet wird. Und das zitierte 8 % (das manchmal sogar 10 % gewesen ist) ist das Unterschied zwischen den überwiesenen Steuern und die getätigten Investitionen der Zentralregierung. Die Katalanen rechnen dieser Defizit nach monetären Prinzipien, also was wirklich im Lande investiert wurde. In Madrid rechnen es nach den sogenannte „Nutzungseffekt“. Nach diesem Prinzip werden absurde Kriterien verwendet. z.B. Die Kosten der Bauarbeiten bei der Renovierung und Erweiterung des Prado Museums in Madrid, wurden buchhalterisch anteilig als Investitionen in allen Regionen „weil alle Spanier profitieren davon“. Oder : die Kosten der bau der Autobahn Madrid-Barcelona, wurden als Investition in Katalonien gebucht, weil „so ist dir Region besser mit Madrid verbunden“, obwohl von den 600 km. nur ca. 170 zu Katalonien gehören. In Prinzip kann man hier schwer vergleichen Katalonien mit Bayern. Aber wenn Bayern so behandelt würde von der Bundesregierung, wie Katalonien von der Zentralregierung, gäbe es heute in Bayern ein 80 % Separatisten.

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  2. Antonia Kellers

    Gracias Pere por tu reportaje, su lectura me ha confirmado lo que yo pienso sobre la actual politica en España. Gracias por haber escrito las verdades sobre mi querida Catalunya. Con respecto a su historia, no hay frase más cierta: „Quien no conoce el pasado no puede comprender el presente“.
    Nací en Barcelona en 1940 y vivo en Alemania desde hace 55 años. En los últimos años he experimentado un aumento de antipatía y rechazo de algunos españoles hacia los catalanes, lo que me llena de tristeza. Esto lo he podido comprobar tambien dirijido a mi personalmente, por eso te agradezco mucho la publicación de tu escrito que ha sido para mi como un cariñoso abrazo.
    Cordialmente, Antonia

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    • Pere Grau Rovira

      Gracias Antonia.. Solo soy un viejo de casi 88 anys (el sistema no me admite la enye) que desde su rinconcito hace lo que puede, por simple dignidad. Que làstima no ser 30 anys mas joven, y poder hacer aún mas. Una abraçada.

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  3. Pedro

    Danke Pere, , bin auch in Barcelona geboren und habe meine Gastarbeiter Leben von 24 Jahren beendet und jetzt lebe seit 35 Jahren in Mallorca. Els teus reportatges m’ajuden molt per poguer argumentar front a alemanys que encara que fa anys que
    viuen aquí demostren una gran ignorància sobre la nostra identitat catalana o mallorquina amb arguments que llegeixen de la premsa alemanya o espanyola .

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  4. Marcel

    Ich gebe offen zu, daß mich all diese Bestrebungen der Souveränität mindestens mal bedenklich stimmen angesichts der Globalisierungszeiten. Immer kleinere neue Staaten macht keinen Sinn für die Zukunft. Aber sei es drum! Interessant ist doch die Bewegung, die sich jetzt – symbolisch oder nicht – bemerkbar macht, dann die Region Barcelona von Katalonien abzuspalten. Es sind haargenau die gleichen Argumente und nichts drüftt aus Sicht der jetzt katalanischen Separatisten dagegen sprechen. Man sieht daran, wie absurd das alles ist, wenn man es mal bis zum Ende durchdenkt !! So hat das einfach keine Chance auf echte Umsetzung

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    • Pere Grau Rovira

      Lieber Marcel: Es hat keinen Sinn das Problem abstrakt zu behandeln. Kleine neue Staaten entstehen nicht aus einer verrückten Laune. Nicht die baltische Staaten, nicht die Nachfolger Jugoslawiens, nicht Irland, oder jeder andere Beispiel die man nennen kann. Diese Staaten (und so auch irgendwann Katalonien) entstehen weil ihre Bewohner, sich von dem Zentralstaat schlecht regiert fühlen, weil ihre Proteste und Vorschläge abgeschmettert werden, weil sie mit einer Arroganz behandelt werden, als ob sie nur Knechte der Hohen Herren wären. Dieser absurder Vorschlag die Region Barcelona abzuspalten, ist nur ein schlechter und geschmackloser Witz einer ultrarechten Gruppe. Die Lösung (nicht ideal, aber praktikabel) war der Autonomiestatut, dass von dem spanischen Verfassungsgericht demoliert wurde. Danach haben die Katalanen achtzehnmal (18!!) immer wieder Lösungsansätze angeboten. Die Antwort immer: Nein und nochmals nein. Sie wissen schon: ein Schuh kann im Schaufenster toll aussehen. Aber nur wer es trägt weißt wo er drückt. Und wenn er nicht so ungemein drücken würde, wäre es nicht zu der jetzige Krise gekommen. Absurd? Seiner Zeit schien auch absurd die amerikanische Rebellion gegen den englischen König….

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  5. Marcel

    Sehr geehrter Pere Grau Rovira,
    ich verstehe durchaus den Unmut oder gar die Wut von Separatisten, wenn sich diese mehr als ungerecht behandelt fühlen. Ich plädiere nur eindeutig und allein dazu, dies nicht immer in die Richtung der Autonomie zu denken. Es wird der Lebenswirklichkeit der Globalisierung nicht gerecht, denn die Meinungsbildung in Kleinstaaten wird sehr bald noch unbedeutender werden wie jetzt. Ich meine damit nicht nur Katalonien sondern selbst große Staaten wie BRD oder Frankreich. Was richten diese Staaten denn heutzutage noch ohne Partner aus. Auch bei uns gibt es Bestrebungen, sich zu separieren von Europa. All diese Richtungen sind ein Irrsin angesichts der Übermacht der Mächtigen. Zusammenschluß ist das Gebot der Stunde !! Die separatistische Bewegung scheint das jedenfalls nicht zu thematisieren. Ja, sie nehmen noch nicht einmal die eigenen ~50% der Nichtbefürworter mit in Ihre Überlegungen. Was sollen die machen? Gehen, bleiben und wenn ja, zu welchen Bedingungen ? All das wird nie publiziert und schon gar nicht in die Familien getragen. Stattdessen die Fahnen aus dem Fenster und ewige Streitgespräche.
    Was die Abspaltung Barcelona von Katalonien betrifft, ist mir egal, welche Gruppe so etwas macht, denn es ist aus meiner Sicht nur eine Darstellung ohne ernsten Hintergrund. Es zeigt aber, wie beliebig die Argumentationen der katalanischen Separatisten bewertet werden können. Ich schreibe bewußt nicht sollten, denn ich verkenne weder den historischen Hintergrund noch die benachteiligende Haltung der spanischen Regierung. Gegen diese Benachteiligung möge man alle Kräfte bündeln und damit versuchen, ganz Katalonien mitnehmen. Die Staatenlösung wird es sicher nie sein aus meiner Sicht. Es wäre ein Rückschritt bzgl. zukünftiger Entwicklungen, denn spätestens danach wird man sich wieder mächtigeren Szenarien anpassen müssen. Gibt es dann erneut eine Art Separatismus ? Wohin dann ?

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