Ein kleiner Spalt Hoffnung

Während russische Bomben und Raketen weiter Tod und Zerstörung in den ukrainischen Städten verbreiten, gibt es überraschender Weise erste Indizien, dass eine diplomatische Lösung und ein Ende dieses Alptraums nicht  unmöglich sei, wenn auch bis dahin noch viele Hindernisse zu überbrücken sind. Das jetzt bekannte 15-Punkte-Papier, das als Basis für Verhandlungen dienen soll und die erste Reaktionen von Präsident Zelenski und seine Regierung darüber lassen einen ersten dünnen Spalt für eine sehr vorsichtige Hoffnung öffnen. Dagegen, denken viele, dass alles  nur eine neue Finte von Putin ist, um Zeit zu gewinnen um seine Strategie neu aufrichten zu können und den Sieg noch zu bekommen.

Es wäre von mir lächerlich und vermessen, mich hier als Prophet aufzuplüstern. Ich bin nur ein alter, entsetzter, europäischer Demokrat, der versucht so logisch wie möglich nachzudenken uns alles andere als unfehlbar ist. Aber zwei Überlegungen, glaube ich, sind es wert hier festzuhalten.

Gewiss: Putin ist ein größenwahnsinniger Autokrat, der bis jetzt von der Realität abgekoppelt war. Dumm ist er aber nicht, und wahrscheinlich (wie es einige Kommentatoren auch meinen) fängt er schon an zu begreifen, dass sein Umfeld (aus Unfähigkeit, oder aus Furcht) ihm die Wahrheit verheimlicht hat, so dass er weder von der mangelhaften Vorbereitung  des Krieges noch von der wirklichen Stimmung in dem ukrainischen Volk eine Ahnung hatte und deswegen eine falsche, verhängnisvolle Entscheidung getroffen hat.

Einen langen Abnützungskrieg ist das letzte, das Putin riskieren kann, weil dann eine Palastrevolte immer möglicher würde. Also ein rasches Ende des Krieges, mit einigen Trophäen, die er präsentieren kann (z.B. die Neutralität der Ukraine, die Abtrennung des Donbass oder die Anerkennung der Krimannexion) wäre für ihm möglicherweise ein akzeptabler Ausgang aus der jetzigen Sackgasse, um politisch überleben zu köönen.

Für die Ukrainer, denke ich, hat absolute Priorität den Krieg und die Massakrierung der Bevölkerung zu beenden. Der Verlust von Gebieten, die weiter ein Nest von Rebellion bleiben könnten, wäre ein hoher aber vertretbarer Preis für den Frieden. Selbstverständlich, der Teufel steht immer in den Details und der Weg zu dem Frieden kann noch sehr dornig sein. Aber doch nicht unmöglich, und nur das zählt..

Ein Haken wird aber noch bleiben. Nach aller Menschenlogik und Gerechtigkeit, zu dem Wiederaufbau der zerstörten Städte und Infrastruktur der Ukraine, sollte Russland einen wesentlichen Beitrag leisten, ähnlich wie die Reparationszahlungen, die Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg leisten musste. Das aber wäre eine Anerkennung der Schuld von Putin, die er sich schwerlich leisten kann und wahrscheinlich nie akzeptieren würde, Darauf zu beharren und den Frieden daran scheitern zu lassen, kann sich keiner erlauben. Deswegen würde nach dem Ende des Krieges der Hauptanteil an dem Wiederaufbau des Landes der Westen leisten müssen. Und es wird eine Aufgabe sein, welche die volle Unterstützung der Völker sicher haben  wird.

Aber auch wenn Putin politisch überlebt und weiter Präsident Russlands bleibt, wird er sehr schnell merken, dass alles anders geworden ist. Weil er der Welt sein wahres Gesicht gezeigt hat; weil niemand auf sein Wort vertrauen wird; weil er das Stigma eines rücksichtlosen Völkermörders nie mehr wird abschütteln können. Und eines Tages wird er von seinen Untaten eingeholt und dafür bestraft werden. Die Zeit ist ein unbarmherziger Richter,

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2 Kommentare

  1. Gerit Chat

    “ Für die Ukrainer, denke ich, hat absolute Priorität den Krieg und die Massakrierung der Bevölkerung zu beenden“
    Da bin ich ganz deiner Meinung, seit 2015!!! übrigens.
    Hat Obama eigentlich seinen „Friedensnobelpreis“ noch? Oder die EU? Wer war A. Nobel gleich nochmal?
    Wieviel Geld wird Weltweit fuer Rüstung ausgegeben? Na, da legen wir doch nochmal knapp 100 Mrd. drauf!
    Der wahre „Sieger“ dankt! Der „kleine Mann“ isses der zahlt.
    Aber „Putin“ ist Schuld, ja nee is klar! Zum Glück gibts ja die FAZ, da werde ich (In)formiert wie ich zu denken habe.

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    • matatiso

      Trobo a faltar els seus excel·lents articles. Espero que la pandèmia, la crisis energética, el canvi climàtic, la guerra de Ucrania, el desgavell dels politics independentistas, entre d’altres catastrofes no li hagi fet desistir de mantindre informats els seus lectors de parla alemanya.
      Ohren steif.

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