Vor dem heißen Herbst

Dieser Herbst wird in Katalonien alles andere als ruhig werden. Die Katalanen sind nicht gewillt, vor der spanischen Repression brav zu kuschen, und die erwarteten harten Strafen in den Skandalprozess gegen die katalanischen politischen Gefangene sind dabei anstatt die Bevölkerung einzuschüchtern sie noch mehr zu mobilisieren und zu lang anhaltenden gewaltlosen zivilen Widerstand zu führen.

Desto mehr, dass es nicht nur dieser Schandprozess ist, was die Gemüter erregt. Ende Juli hat das katalanische Wirtschaftsministerium einen Bericht der spanischen Generalinspektion der Finanzen (Intervencion General del Estado) verbreitet, der vieles davon bestätigt, was man im allgemeinen vermutet: die nachteilige Behandlung Kataloniens durch den spanischen Staat.

Laut diesem Bericht von den im Staatshaushalt 2015-1018 für Katalonien vorgesehenen Investitionen wurde nur 65,9 % getätigt, unter dem Durchschnitt von 75,3 % für ganz Spanien. Im Vergleich wurden von den Mitteln, welche in dieser Zeitspanne für die Region Madrid vorgesehen worden waren, bezeichnenderweise sogar 114 % (!) getätigt. In Katalonien aber -zum Beispiel. von den Mitteln, die vorgesehen waren um die Zugnahverkehrsverbindungen  zu verbessern , wurde nur 14,5 % investiert, mit argen Folgen für die empörten Benutzer dieser Linien, viele davon Arbeitspendler.

Ein paar tage nach die Veröffentlichung dieses Berichtes, hat die Zentralregierung  von der katalanischen Landesregierung verlangt, dass sie die Kosten im Gesundheitssektor reduziere. D.h. weniger Geld für Krankenhäuser, Arzneien und im allgemeinen für die medizinische Versorgung auszugeben, insbesondere für Prothesen. Da gleichzeitig bekannt geworden ist, dass u.a. die spanische Regierung 2,3 Milliarden Euro für neue Panzer ausgeben will (insgesamt 12 Milliarden Euro für Waffen in einem Jahr), hat diese Anforderung besonders böses Blut verursacht.

Oder betrachten wir den Fall des Flughafen Barcelonas (der von dem Staat verwaltet wird) im Vergleich zum Madrider Flughafen. Obwohl Barcelona nur 0,8 % weniger Fluggäste als Madrid hat (2017: 47 Millionen), beschäftigt der Madrider Flughafen 3.500 Arbeiter, davon 3.200 festangestellt, währen Barcelona mit 2.000 auskommen muss (43 % weniger) wovon nur 1.000 festangestellt sind. Dieser Personalmangel führt in Stoßzeiten zu ärgerlichen Verzögerungen und Verspätungen.

Vor kurzem hat der exilierter, legitime katalanische Präsident, Carles Puigdemont, Bilanz der Lage gezogen und hat geschrieben: „Leider müssen wir einsehen, dass Dialog, friedliche Verhandlungen und eine Lösung in Einvernehmen eine Illusion sind“.

Ein anderes Zeichen dafür, dass die Bevölkerungsmehrheit keineswegs resignieren will, ist das neuerdings entstandene „Zivile und Soziale Forum für eine Verfassungsdebatte“. Dieses Forum will keineswegs eine Verfassung für eine katalanische Republik selbst aufsetzen, sondern die Wünsche der Bevölkerung darüber zu sammeln, was in eine solche Verfassung reingeschrieben werden sollte. Überall im Lande sind „territoriale Gruppen“ entstanden, die ab September als Aufnahmestellen dienen sollen, und das Ergebnis weiter an eine Zentrale reichen, die dann im nächsten Frühling eine Zusammenfassung an das katalanische Parlament liefern wird, so dass sie eines Tages für eine verfassungsgebende Versammlung als Arbeitsgrundlage dienen kann. Lassen wir beiseite, dass viele Vorschläge Angelegenheiten betreffen werden, welche in einer Verfassung nichts zu suchen haben. Aber das hier Entscheidende ist der Wille so vieler Katalanen, nicht von der Ziel der Unabhängigkeit abzulassen.

Für immer mehr Katalanen, durch die bisherige Reaktion des spanischen Staates schlauer geworden, ist es klar, dass die Unabhängigkeit nur durch den wahrscheinlich langen und schwierigen Weg einer klaren Konfrontation mit dem Staat zu erreichen sein wird. Diesmal aber, meinen einige Kommentatoren, sollten sowohl die Leute auf der Straße wie die offiziellen Institutionen bereit sein, auf neue Repressionsmaßnahmen mit gewaltlosen aber spektakulären Maßnahmen zu reagieren, die im Grunde auf die Verweigerung hinauflaufen würden, die Verfügungen der spanischen Behörden zu ignorieren und nur die der katalanischen zu befolgen.

Es ist schwierig vorauszusehen, wie das alles in der Praxis zu verwirklichen sein wird. Aber wie auch immer, Spanien wird voraussichtlich mit verschiedenartigen Formen des Widerstandes konfrontiert werden. Europa soll also wissen, dass in dieser Herbst, Katalonien keine ruhige Ecke sein wird. Und je länger Europa in der Angelegenheit untätig bleibt, desto schwerer kann der Konflikt werden und desto schwieriger zu lösen sein.

3 Kommentare

  1. Peter Lindig

    Com sempre un article molt interessant i sempre fent servir les paraules adients en alemany. Ara que les (maleïdes) declinacións no son el seu fort. Si voleu us puc donar un cop de mà si volgueu. Soc alemany nadiu i visc a Catalunya fa 36 anys. Em considero català al 100% amb passaport alemany.
    Salut

    Peter Lindig
    Matatiso@hotmail. Com

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  2. Peter Lindig

    Petites correccions del text.

    Vor dem heißen Herbst
    por Pere Grau Rovira
    Dieser Herbst wird in Katalonien alles andere als ruhig werden. Die Katalanen sind nicht gewillt, vor der spanischen Repression brav zu kuschen, und die erwarteten harten Strafen in dem Skandalprozess gegen die katalanischen politischen Gefangenen sind dabei anstatt die Bevölkerung einzuschüchtern sie noch mehr zu mobilisieren und zu lang anhaltenden gewaltlosen zivilen Widerstand zu führen.

    Desto mehr, dass es nicht nur dieser Schandprozess ist, was die Gemüter erregt. Ende Juli hat das katalanische Wirtschaftsministerium einen Bericht der spanischen Generalinspektion der Finanzen (Intervencion General del Estado) verbreitet, der vieles davon bestätigt, was man im allgemeinen vermutet: die nachteilige Behandlung Kataloniens durch den spanischen Staat.

    Laut diesem Bericht von den im Staatshaushalt 2015-1018 für Katalonien vorgesehenen Investitionen wurde nur 65,9 % getätigt, unter dem Durchschnitt von 75,3 % für ganz Spanien. Im Vergleich wurden von den Mitteln, welche in dieser Zeitspanne für die Region Madrid vorgesehen worden waren, bezeichnenderweise sogar 114 % (!) getätigt. In Katalonien aber -zum Beispiel. von den Mitteln, die vorgesehen waren um die Zugnahverkehrsverbindungen zu verbessern , wurde nur 14,5 % investiert, mit argen Folgen für die empörten Benutzer dieser Linien, viele davon Arbeitspendler.

    Ein paar tage nach der Veröffentlichung dieses Berichtes, hat die Zentralregierung von der katalanischen Landesregierung verlangt, dass sie die Kosten im Gesundheitssektor reduziere. D.h. weniger Geld für Krankenhäuser, Arzneien und im allgemeinen für die medizinische Versorgung auszugeben, insbesondere für Prothesen. Da gleichzeitig bekannt geworden ist, dass u.a. die spanische Regierung 2,3 Milliarden Euro für neue Panzer ausgeben will (insgesamt 12 Milliarden Euro für Waffen in einem Jahr), hat diese Anforderung besonders böses Blut verursacht.

    Oder betrachten wir den Fall des Flughafens von Barcelona (der von dem Staat verwaltet wird) im Vergleich zum Madrider Flughafen. Obwohl Barcelona nur 0,8 % weniger Fluggäste als Madrid hat (2017: 47 Millionen), beschäftigt der Madrider Flughafen 3.500 Arbeiter, davon 3.200 festangestellt, während Barcelona mit 2.000 auskommen muss (43 % weniger) wovon nur 1.000 festangestellt sind. Dieser Personalmangel führt in Stoßzeiten zu ärgerlichen Verzögerungen und Verspätungen.

    Vor kurzem hat der exilierte, legitime katalanische Präsident, Carles Puigdemont, Bilanz der Lage gezogen und schrieb

    : „Leider müssen wir einsehen, dass Dialog, friedliche Verhandlungen und eine Lösung in Einvernehmen eine Illusion sind“.

    Ein anderes Zeichen dafür, dass die Bevölkerungsmehrheit keineswegs resignieren will, ist das neuerdings entstandene „Zivile und Soziale Forum für eine Verfassungsdebatte“. Dieses Forum will keineswegs eine Verfassung für eine katalanische Republik selbst aufsetzen, sondern die Wünsche der Bevölkerung darüber zu sammeln, was in eine solche Verfassung reingeschrieben werden sollte. Überall im Lande sind „territoriale Gruppen“ entstanden, die ab September als Aufnahmestellen dienen sollen, und das Ergebnis weiter an eine Zentrale reichen, die dann im nächsten Frühling eine Zusammenfassung an das katalanische Parlament liefern wird, so dass sie eines Tages für eine verfassungsgebende Versammlung als Arbeitsgrundlage dienen kann. Lassen wir beiseite, dass viele Vorschläge Angelegenheiten betreffen werden, welche in einer Verfassung nichts zu suchen haben. Aber das hier Entscheidende ist der Wille so vieler Katalanen, nicht von dem Ziel der Unabhängigkeit abzulassen.

    Für immer mehr Katalanen, durch die bisherige Reaktion des spanischen Staates schlauer geworden, ist es klar, dass die Unabhängigkeit nur durch den wahrscheinlich langen und schwierigen Weg einer klaren Konfrontation mit dem Staat zu erreichen sein wird. Diesmal aber, meinen einige Kommentatoren, sollten sowohl die Leute auf der Straße wie die offiziellen Institutionen bereit sein, auf neue Repressionsmaßnahmen mit gewaltlosen aber spektakulären Maßnahmen zu reagieren, die im Grunde auf die Verweigerung hinauflaufen würden, die Verfügungen der spanischen Behörden zu ignorieren und nur die der katalanischen zu befolgen.

    Es ist schwierig vorauszusehen, wie das alles in der Praxis zu verwirklichen sein wird. Aber wie auch immer, Spanien wird voraussichtlich mit verschiedenartigen Formen des Widerstandes konfrontiert werden. Europa soll also wissen, dass in diesem Herbst, Katalonien keine ruhige Ecke sein wird. Und je länger Europa in der Angelegenheit untätig bleibt, desto schwerer kann der Konflikt werden und desto schwieriger zu lösen sein.

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