Und es bewegt sich doch…

Ich habe meinen geschätzten Lesern seit anderthalb Monate mit meinen Berichten über Katalonien in Ruhe gelassen. Das heißt nicht, dass in dem katalanischen Konflikt in dieser Zeit nichts geschehen wäre. Die spanische Repression hat weiter getobt, der Kessel hat weiter gebrodelt, aber die Pandemie und strategische Differenzen zwischen den Unabhängigkeitsparteien haben verhindert, dass die Welt, und besonders Europa, wie früher direkt alles vor Augen bekam. Grosse und schlimme Ereignisse beherrschten in diesen Wochen sowieso die Nachrichten und die Aufmerksamkeit der Politiker und der Bürger überall: Afghanistan, die Wetterkatastrophen, die weiter wütende Pandemie…

In Spanien versuchte der Regierungschef Pedro Sánchez den wahnwitzigen Eindruck zu vermitteln, dass der Konflikt mit Katalonien der Vergangenheit angehörte und, dass ein neues „Miteinander“ mit Katalonien schnell Form annahm. Das waren nur Phantasien von Herrn Sánchez. Ohne Ende der Repression, ohne eine Generalamnestie für alle katalanischen Verfolgten, und ohne mit den Katalanen darüber reden zu wollen was sie wirklich interessiert, idt ein „neuer Anfang“ ganz gleich wie dieser aussehen sollte, total undenkbar. Die Entwicklung in diesen Wochen kann man ausführlich in diesem Artikel lesen: https://krass-und-konkret.de/politik-wirtschaft/grosse-unabhaengigkeitskundgebung-in-katalonien-vor-dem-beginn-eines-dialogs/.

Und jetzt am 11. September, dem nationalen Feiertag Kataloniens, hat wieder das katalanische Volk seine Stimme auf den Strassen von Barcelona hören lassen. Nicht so zahlreich wie es ohne Pandemie gewesen wäre, aber um vieles zahlreicher als die Organisatoren erwartet haben, wie auch die Fotos bestätigen:  https://www.vilaweb.cat/noticies/imatges-manifestacio-diada-2021-gent-pren-carrers/  . Auf jeden Fall wurde festgestellt, dass es die größte Demo in Europa war seit dem Anfang der Pandemie, und wie immer friedlich und gewaltlos. Und die Demonstranten liessen keine Zweifel daran, wofür sie auf die Strasse gegangen waren: die Unabhängigkeit Kataloniens, als den einzigen möglichen Weg, den die Willkür und die Repression Spaniens den Katalanen gelassen hat, um auf eine bessere Zukunft hoffen zu können.

Wohlbemerkt: kein Mensch, keiner der hunderttausenden Demonstranten glaubt, dass der Weg dahin einfach sein könnte. Alle glauben nur, dass dieser Weg unausweichlich ist, weil eine Verständigung mit dem spanischen Ultranationalismus auf demokratischen normalen Wegen keine Chance hat, und dass jeder Tag und jede Woche, die man verliert, die Lage noch schlimmer macht. Deswegen wurden auch jene Politiker ausgebuht, die auf einen zweijährigen oder längeren Dialogsversuch mit Spanien setzen.

Wie es auch sei, dieser katalanischen Nationalfeiertag hat bewiesen, dass alle „Nebelkerzen“ von Pedro Sánchez für die Katz gewesen sind. Dass er vielleicht einige Politiker einlullen kann, aber nicht das Volk. Und das die Wünsche nach Unabhängigkeit (die es nicht in diese Stärke geben würde, wenn die spanische Politik klüger und viel demokratischer gewesen wäre) so lebendig sind wie vor der Pandemie. Katalonien ist nicht in Aoathie gefallen: „und es bewegt sich doch!“

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