Bindeglieder

Der große Thema dieser Tage, neben der weiter wütenden Pandemie, ist der Sturm des Kapitols in Washington durch die von den Lügen von Donald Trump aufgehetzten Demokraten. Was in der sogenannten „Mutter der Demokratien“ geschehen ist, hat alle Demokraten in der Welt aufgeschreckt und Diktatoren und Despoten mehr oder weniger heimlich gefreut. Und wenn ich jetzt nach diesen ersten Sätzen wieder über Spanien und Katalonien schreibe, brauchen Sie, werter Leser, nicht befürchten, dass ich Umstände und Ereignisse vergleiche, die nicht zu vergleichen sind.                                                                                   Ein paar Verbindungen  zwischen beide  Szenarien gibt es aber doch. En Bindeglied ist mir deutlich klar geworden durch den Kommentar von Bundespräsident Steinmeier im Fernsehen, über das Geschehen in Washington. Eine der Sätze von Steinmeier – der implizit eine mehr als gerechte Verurteilung des ganzen Handeln von Trump  war – lautete: „Hass schadet die Demokratie. Lüge schadet die Demokratie“. Das sind Worte die, wie ein mächtiger Scheinwerfer, genau beschreiben, was in den letzten Jahren in Spanien und Katalonien geschieht.                                                                                                                                                                     Das ganze Konstrukt aller juristischen Verfahren der Hohen Gerichte Spaniens gegen katalanische Politiker, Aktivisten oder einfach Sympathisanten der Unabhängigkeitsbewegung ist auf Lügen und Meineide aufgebaut worden. Und der Hass auf alle, die die „heilige Einheit Spaniens“ in Frage stellen (seit langer Zeit genährt durch mächtige Leute, die sehr konkrete materielle Interessen und Privilegien verteidigen, und dabei über Leichen gehen) hat in die Sackgasse des aktuellen Konflikts geführt.                                                                   Dass diese Behauptungen stimmen, wird von jeder Entscheidung europäischer Gerichte über spanisches Bestreben, die Auslieferung von exilierten katalanischen Politikern zu erreichen, bestätigt. Ob in Deutschland oder die Schweiz, in Großbritannien oder Belgien überall haben die Richter diesen Wunsch Spaniens abgelehnt. Es wurde von ihnen unter anderem festgestellt, dass die ihnen vorgeworfenen taten weder ein Delikt vorstellten noch irgendein ausreichendes Motiv für eine Auslieferunf darstellten, und dass der veuerteilene Obergerichtshof Spaniens sich Befugnisse angemaßt hatte, die ihm nicht zustanden.                                                                                                                                                 Die letzte Ohrfeige der europäischen an der spanischen Justiz, hat jetzt del belgische Obergerichtshof in Sachen Auslieferung des ehemaligen katalanischen Kultusminister Lluís Puig gegeben. Einzelheiten sind in diesem Artikel  von Prof. Dr. Axel Schönberger ausführlich dargestellt:  https://www.change.org/p/solidarit%C3%A4t-mit-katalonien-f%C3%BCr-das-recht-auf-friedliche-selbstbestimmung/u/28325482                                                             Vor fast 300 Jahren ist der Satz berühmt geworden, den ein Müller in Potsdam über seinen Streit mit Preußenkönig  Friedrich der Große gesagt hat: „Noch gibt es Richter in Berlin“. Und wie das Vertrauen des Müllers in die preußische Justiz gerechtfertigt war, ist jetzt für die Katalanen genau das Vertrauen in den europäischen Gerichte gerechtfertigt und der Ekel über die spanischen.                                                                            Der katalanische Journalist Jordi Barbeta hat in einem Artikel in der digitalen Zeitung Nacional.cat noch ein zweites Bindeglied gezeigt. Er schreibt über die Verdrehung der Wahrheit, die gemein ist in allen autoritären Regimen. Er zitiert Kellyanne Conway, Kommunikationsratgeberin von Trump, die den Begriff „alternative Tatsachen“ prägte, um eine Nachrichtenversion zu beschreiben, die im Gegensatz zu den bestätigten und geprüften Tatsachen steht. Sie meinte, „eine Tat ist nicht was die Gegner sagen, sondern was wir sagen“. Und so sind Trump und seine Anhänger, sagt Barbeta, so weit gegangen, dass sie die Wahlergebnisse „im Namen der Demokratie, der Freiheit und der Verfassung“ ändern wollten. Und Barbeta fügt hinzu: „Das ist ohne weiteres, was die frankistischen Militärs und die Parteien PP und Vox jetzt machen wollen mit der versuchten Demontage der Regierung PSOE-Podemos, um „den König, die Demokratie und die Verfassung zu verteidigen“. Er erinnert auch daran, dass Franco einen militärischen Staatsstreich anführte und einen Vernichtungskrieg anfing, um eine Diktatur ohne Rechte und Freiheiten zu errichten. Und er nannte das: „Krieg der nationalen Befreiung“.        https://www.elnacional.cat/ca(opinio/jordi-barbeta-trump-va-feixisme-queda_572145_102.html                                                                                                                               Sämtliche Kritiken an Trump und seine Anhänger  sind gerechtfertigt. Aber die europäischen Demokratien sollten sich auch entsprechend äußern, wenn in einem Land der Europäischen Union dieselben Taktiken der Lüge, des Hasses, und der Aufhetzung in dreister Manier angewendet werden. Dieses Versäumnis kann sich eines baldigen Tages rächen.                                                   

Spaniens Metastasen

Mit der überall so gelobten „Transicion“  schien der Übergang von der Diktatur Francos zu der Demokratie in beispielhafter Form gelungen. Das dies ein (für Spanien verhängnisvollen) Irrtum ist wurde und wird weiter in diesen letzten Jahren immer schneller bewiesen. Immer schneller zeigt sich, dass der Krebs der Diktatur überall verdeckte Metastasen hinterlassen hatte, die jetzt für Spaniens Demokratie immer tödlicher werden. Der spanische „deep state“, der von den hohen juristischen Instanzen kräftig unterstützt wird, benutzt immer wieder und immer mehr Methoden, die man sonst Russland, der Türkei oder China empört vorwirft, aber bei Spanien stillschweigend übersieht.                                                                                                                                   Jetzt ist das Los in dieser Unrechtslotterie am Gonzalo Boye gegangen, den Anwalt, der so erfolgreich den katalanischen Exilpräsidenten Puigdemont vor den europäischen Gerichten vertreten und die Abweisung aller Auslieferungsorders des spanischen Staates erreicht hat. Diese Blamagen hat man anscheinend dem chilenisch-spanischen Anwalt so übelgenommen, dass jetzt mit Anwendung aller möglichen schmutzigen Tricks versucht wird, seinen Ruf zu zerstören und ihn hinter Gitter zu bringen. Das wird von Ralf Streck, akribisch wie immer, hier detailliert berichtet:   https://www.heise.de/tp/features/Spanien-zerrt-nun-auch-Puigdemonts-Anwalt-vor-Gericht-4998332.html                                                                                                            Jetzt hat Boye auch einen Artikel in den katalanischen Digitalzeitung Nacional.cat geschrieben  ( https://www.elnacional.cat/ca/opinio/gonzalo-boye-actuar_568626_102.html  ) der die Feindschaft de spanischen Machthaber gegen ihn noch wachsen lassen wird. Mit klaren Worten demaskiert er den wahren bedenklichen  Zustand der spanische Demokratie. Ich möchte hier meinen Lesern, die wichtigsten Stellen von Boyes Text wiedergeben:                                                                                                                                             „…In Wirklichkeit  agiert ein Teil des Staates eigenmächtig, und gebraucht und missbraucht seine Macht, die kein Gegengewicht hat  und deswegen so gefährlich                   ist…                                                                                                                                                                                             ….Dieser Prozess der Vereinnahmung des Staates ist nicht neu und begann schon vor langer Zeit, aber es war bequemer es zu übersehen und sie machen zu lassen, da man dachte, dass das nur jene zu spüren bekommen würden, die für den Staat  unbequem geworden waren. Schwerer Irrtum, denn es handelt sich nicht um den unbequemen Bürger, sondern die Essenz dessen, was ein demokratischer System sein soll. Man hat sie nicht nur machen lassen, sondern man hat es auch gerechtfertigt, und oft hat sich die Rechtfertigung in Komplizenschaft umgewandelt…                                                                                                                                        …Die Ursachen dieser „Zwangsenteignung“, die der spanische Staat jetzt  erlebt, sind sehr vielfältig, aber fast alle haben ihren Ursprung in einem historischen Moment, den man uns als „exemplarisch“ oder „magisch“ vorgestellt hat, der aber weder das eine noch das andere war….                                                                              …Die spanische „Transicion“ bestand in Wirklichkeit darin mit demokratischen Kleidern Machtstrukturen und Handlungsweisen zu verkleiden, die weiter die von jenem totalitären System geblieben waren, das gerade angeblich verlassen worden war…                                                                                                …Das war auch nicht „magisch“, sondern ein totaler betrug, der glauben lassen wollte, dass die breite Masse der Francoanhänger  verschwunden war oder sich über Nacht in authentische Demokraten verwandelt hatte. Das ist wirklich Magie: zu Bett als frankistisch   gehen und als Demokrat aufstehen… Man änderte alles so, dass nichts geändert wurde… und jetzt hat sich erwiesen, dass es weder einen Übergang gab noch ein atavistisch repressiver Staat sich in einem demokratischer Rechtsstaat verwandelte…                    …Das jetzige Problem ist es, dass dieser soziologische Frankismus, präsent vorwiegend in den  hohen Instanzen einer der staatlichen Gewalten, entschieden hat, dass es jetzt genug ist und man zu dem Punktzurückkommen muss, der nie hätte verlassen werden sollen, und alles Mögliche getan werden sollte, um die Dinge wieder in ihren „Naturzustand“ zu bringen…                                                                                        …Es ist noch nicht zu spät. Diese Entwicklung ist nicht irreversibel… Aber um das möglich zu machen, werden sich die anderen Staatsgewalten zu ihrer Verantwortung in dieser totalitären Abdrift stellen müssen. Selbstkritik üben und Mechanismus aktivieren müssen, um die Kontrolle der Machtgebiete, die ihnen entwendet worden sind zurückzugewinnen. Und damit dann auch über alle Bremsen und Gegengewichte zu verfügen, um die expansive Macht jener hohen Instanzen zu begrenzen und sie zur Verantwortung für alle getanen Exzesse zu ziehen…“                                                                                                                                                 Bis hier die Zitate aus dem Text von Boye. Und um es klar zu sagen: es handelt sich um keine parteiische Übertreibung, sondern um die nüchterne Beschreibung des jetzigen erbärmlichen Zustandes der Demokratie in einem Staat der Europäischen Union. Und man wird wohl das Recht haben zu fragen, bis wann die europäischen Institutionen diesen Zustand noch ignorieren und zu Methoden schweigen werden, die an anderen Orten lauthals angeprangert werden.

Gefahren hinter dem Vorhang

Als Volk werden wir Katalanen von der Pandemie dreifach bestraft. Einmal, wie alle anderen Völker, durch die Todesopfer die zu beklagen sind. Zweitens, dadurch, dass die Pandemie die offenen Proteste auf die Straße gegen die spanische Willkür unmöglich macht. Und drittens, weil für alle europäischen Regierungen  zurzeit – verständlicherweise wegen der menschlichen und wirtschaftlichen Folgen – das Coronavirus die Hauptsorge aller ist. Und dazu kommen die akuten zusätzlichen Probleme wie der Brexit, das Verhältnis zur USA und zu China, die Eskapaden von Putin und Erdogan, etc. Und deswegen laufen in den europäischen Kanzleien die katalanischen Probleme als eine Lappalie am Rande. Gewiss ärgerlich aber alles andere als dringend.           Dabei sollte vielleicht gerade ein Aspekt des Verlaufs der Pandemie uns allen eine Lehre sein: wie gefährlich ein nicht erkanntes oder nicht beachtetes Infektionszentrum werden kann. Und gerade das ist der spanisch-katalanische Konflikt zurzeit für die europäische Demokratie: ein meistens ignoriertes Infektionszentrum, ein Virus, das insgeheim  dabei ist die moralische Autorität Europas zu vergiften und zu untergraben. Und es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, das für eine maßlose Übertreibung zu halten.                                                                                                                   Es vergeht kaum eine Woche ohne das der spanische Ultranationalismus irgendein Unrecht begeht. In einer Welt ohne so viele akute Probleme  würde man es empört zur Kenntnis nehmen und Spanien mit Protesten überhäufen. Jetzt aber ist der ganze Dreck leicht hinter dem dicken Pandemievorhang zu verstecken, und mit jedem tag lässt sich das Unrecht noch dreister tun.                                                                                                                                                Zum Beispiel diese „Kleinigkeit“: ein Korporal der spanischen Armee, Marco Antonio Santos Soto, wird von dem Chef des Generalstabs aus der Armee verstoßen, weil er vor zwei Jahren ein Manifest gegen die Francodiktatur  mitunterzeichnet hat. Die Verteidigungsministerin ratifiziert der Rauswurf, und ein Militärgericht  bestätigt jetzt die Maßnahme. Das zeigt ein merkwürdiges Verständnis der Geschichte und ein ernstes ideologisches Problem in den spanischen Streitkräften, besonders wenn man das mit der Haltung Deutschlands vergleicht, dass dabei ist die rechtsextremen Erscheinungen in der Armee zu untersuchen und auszumerzen. Das ganze ist öffentlich besonders von einem anderen ehemaligen Militär, der damals Oberleutnant Luis Gonzalo Segura, publik gemacht worden, der auch von der Armee weggejagt  wurde, weil er in einem Artikel von der Gefahr des Rechtsextremismus in der Armee warnte.                                                                                Und diese Gefahr besteht nicht nur in den öffentlichen Äußerungen  von pensionierten Militärs (wie in dem vorherigen Artikel „Spaniens brüchige Demokratie“ berichtet wurde) sondern auch in der Denkweise vieler aktiver Offiziere, die nicht nur in der rechtsextremen Partei VOX Unterstützung findet, sondern auch in den konservativen Volkspartei und in der sozialdemokratischen PSOE.                                                                             Die andere Anomalie, auch mi vorherigen Artikel erwähnt, ist die willkürliche Streichung der den katalanischen politischen gefangenen zustehenden Haftserleichterungen. Der Rechtsexperte Xoan Anton Pérez Lerma hält diese Maßnahmen für antijuristisch, unverhältnismäßig und gefährlich. Antijuristisch, weil die Entscheidungen der zuständigen Instanzen nicht respektiert werden, und die eignen Kompetenzen des Obergerichtshofs überschritten werden. Unverhältnismäßig, weil es eine Verschärfung von schon vorher ungerechten Strafen bedeutet. Und gefährlich, weil sie die Regeln der Hafterleichterungen, wie sie in jeder Demokratie gelten, auf den Kopf stellt, und der Strafe in ein Rachewerkzeug umwandelt.                                    Es drängt sich einem auf zu fragen, warum diese Auffassung der Justiz ( um nicht zu reden von der Auffassung, die zu den ungerechten Gefängnisstrafen geführt hat) weniger gefährlich sein soll als die, die man in Ungarn und Polen beanstandet hat, und warum?                                                                                             Die Gefahr hinter dem Vorhang sollte nicht unterschätzt werden. Nicht nur weil dadurch ein ganzes Volk, das katalanische, desillusioniert  von Europa entfremdet werden könnte. Sondern auch weil so ein Virus die Grundprinzipien, welche die Existenzberechtigung der europäischen Idee begründen, tödlich krank machen könnte.

Spaniens brüchige Demokratie

Nach dem Tod des Diktators Franco wurde die spanische „Transicion“, der Übergang von der Diktatur zur Demokratie überall mit großem Lob bedacht. Heute wissen wie schon lange, dass dieses Lob voreilig war. In Wirklichkeit wurde der friedliche Übergang um den Preis gekauft, die Seilschaften der Diktatur intakt zu lassen. Weder das Militär noch die Justiz wurden genügend reformiert und von den Anhänger des Diktators gesäubert. Die Folgen werfen noch heute ihre Schatten auf das Land. Selbstverständlich gibt es in Spanien demokratische Militärs und Richter. Aber in der Justiz geben den Ton die hohen Funktionäre an, die rachsüchtig sind und mit Hilfe von Lügen und Meineiden nicht nur hohe katalanische Politiker zu langen Haftstrafen verurteilt haben, sondern auch friedliche Aktivisten, willkürlich herausgenommen aus Demos gegen diese Urteile, zu längeren Haftstrafen verdonnert haben als z.B. die, welche China gegen die Demokraten in Hongkong verhängt hat. Die irrwitzigen Argumente gegen die katalanischen Politiker (u.a. massiv das Gebrauch des Rechts auf Meinungsfreiheit als „psychische Gewalt“ zu beschreiben um mit dem Wort Gewalt die Bestrafung hochschrauben zu können) sind die geöffnete Büchse der Pandora gewesen um jetzt jeden Bürger nach Belieben einzuschüchtern und inhaftieren zu können. Eine Entwicklung welche bis jetzt keine angemessene europäische Reaktion hervorgerufen hat.                                                                           Und was das Militär betrifft, haben jetzt zwei Vorkommnisse das Land erschüttert. Einerseits der Brief von 73 pensionierten hochrangige Militärs an den spanischen König, in dem dieser als Oberbefehlshaber der Armee, praktisch zu einem Staatsstreich auffordern um Spanien zu retten von der jetzigen „sozialkommunistischen“ Regierung, die sich von „Terroristen und Separatisten“ (d.h. Basken und Katalanen) helfen lässt und die heilige  Einheit Spaniens in Gefahr bringt. Und dann, ist der Inhalt eines internen Chats von Militärs an die Öffentlichkeit gekommen, der in jedem anderen Land zu einer strengen strafrechtlichen Verfolgung der Betreffenden geführt hätte, da sie ein gigantisches Massaker an Demokraten als wünschenswert betrachteten. Aber in Spanien haben die Richter darin kein strafrechtliches Verhalten gesehen. Spain is different. Alla Einzelheiten hier:  https://www.heise.de/tp/features/Hochrangige-spanische-Militaers-traeumen-davon-26-Millionen-Hurensoehne-zu-erschiessen-4979549.html                                                                                                  Die Angelegenheit ist noch bedenklicher, weil in den sozialen Medien, viele aktiv in Dienst stehende Militärs sich mit ihren pensionierten Kollegen solidarisch erklärt haben. Gewiss, der Chef des spanischen militärischen Generalstabs hat sich öffentlich von der Äußerungen dieser Irren distanziert und sie als rufschädigend für die Armee bezeichnet. Das ändert aber nichts an dem bedenklichen, breiten und positiven Echo, das die Äußerungen bei den aktiven Offizieren gefunden haben.                                                                   Und um wieder zur Justiz zu kommen, die neue Entscheidung des spanischen Obergerichtshofs, welche die den katalanischen politischen Gefangenen nach geltenden Recht zustehenden Hafterleichterungen wieder entzogen hat (und diese Entscheidung erst nach der Verabschiedung des spanischen Haushalts publik gemacht hat, wobei die Regierung die Stimmen von katalanischen Parteien brauchte) hat wieder eine Welle der Empörung in Katalonien verursacht und hat bewiesen, wer in Spanien das Sagen hat: nicht die Regierung sondern die Ewiggestrigen in der Justiz. Und die sind blind genug um zu glauben, dass sie so die Abtrennung Kataloniens verhindern werden. Das Gegenteil ist wahr. Je mehr Unrecht geschieht, desto mehr wächst die Abneigung der Katalanen gegen einen solchen Staat und die Bereitschaft die nötigen Opfer zu akzeptieren um sich davon zu trennen. Egal wie lange das dauern kann.                                                                                        P.S. Gestern, 5.Dezember, haben noch 271 pensionierte Militärs (von Generalleutnant und Admiral abwärts)ein Manifest veröffentlicht indem jede Begnadigung der katalanischen politischen Gefangenen strikt ablehnen. Und es sind Offiziere noch mit großen Einfluss  in den spanischen Kasernen.

Spanien: Wunderlichkeiten anstatt Wunder

In meinem vorherigen Artikel berichtete ich über spanischen Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechte. die hinter der Vorhang der Pandemie vielleiht im Ausland wenig, bis gar nicht beachtet wurden.  Das geht ungebremst weiter, unter anderem, mit langen Haftstrafen für willkürlich ausgewählte katalanische Aktivisten, die nur gegen die ungerechten Strafen für die katalanischen politischen Gefangenen demonstriert hatten.                                                                                             Aber auch wenn man die brisante Willkür gegen die Katalanen mal beiseite lässt, und nur die Pandemie und ihre Folgen betrachtet, hätte Europa allen Grund auf Spaniens Regierende bitterböse zu sein. Schon im vorigen Frühling, war die Weigerung, den Corona Hotspot Madrid zu sperren eine der Gründe für die rasante Ausbreitung des Virus in ganz Spanien und auch nach Europa. Und jetzt ist der Verlauf der Dinge noch surrealistischer geworden.                                                                                                                        Erstens, bevor die neue Sperrungen in der Region Madrid in Kraft traten, war der Exodus de Madrider hin zu den Küsten, hauptsächlich nach Alicante doppelt so hoch wie sonst. Und dann geschah das, was (auch in der deutschen Presse) das „Wunder von Madrid“ genannt wurde. Nämlich, dass trotzdem viele Sperrungsmaßnahmen weniger streng waren als woanders sich die Zahl von Neuinfektionen in Madrid schnell verkleinerte, was die Regionalregierung mit großen Pathos zelebriert hat.                                     Nur, wenn man genauer hinguckt, sieht man schnell, dass kein Wunder geschehen ist, sondern eine Kette von Wunderlichkeiten (oder richtiger gesagt unverschämte Dreistigkeiten) , die, wären sie in Deutschland passiert, zu einer Lawine von Amtsentlassungen der Involvierten geführt hätten.                                                                                  Wie schon öfter hat der Journalist Ralf Streck in seinen Artikeln über das ganze unglaubliche Schlamassel mit den Datenfälschungen akribisch informiert. In diesem, etwas kurzgefasst:  https://www.stern.de/reise/europa/madrid-corona-zahlen-9491536.html   . Und in diesem, ausführlicher. https://www.hesise.de/tp/features/Das-Madrider-Wunder-das-es-nicht-gibt-4962391.html?seite=all                                                                                                                            Und während nicht nur die deutsche, sondern auch andere europäische Regierungen Hilfen für die Wirtschaft, und insbesondere für Selbständige  und kleine Unternehmen in der Corona-Zeiten auf die Wege gebracht haben, hat sich die spanische Zentralregierung aus der Affäre gezogen indem sie die Befugnisse dafür auf die regionalen autonomen Regierungen abgeladen hat, ohne sie aber mit den notwendigen Finanzmitteln dazu auszustatten. Das Ergebnis ist ein Chaos und Wahrscheinlich die Vernichtung unzähliger Existenzen. Es ist genauso skandalös wie die Tatsache, dass viele Bürger, denen Kurzarbeitergeld in Aussicht gestellt wurde, seit März noch kein Geld bekommen haben. In Katalonien z.B. bei einer Zahl von 500.000 Selbständigen und Kleinstunternehmen, konnte die mit leeren Kassen dastehende Regionalregierung nur etwa 10.000 helfen und das auch nur unzureichend. Alles ist Lichtjahren entfernt von den deutschen Hilfen von 75 % des Umsatzes in November 2019.                       Aber den spanischen Regierungschef scheint das alles kalt zu lassen. Er ist sehr beschäftigt mit seiner Finten um auf seinen Posten bleiben zu können und verwendet Milliarden in den Kauf von Panzern, die bei weitem nicht so dringend sind wie die Vermeidung der soziale Katastrophe die sich in Spanien abzeichnet.                                                                                       Übrigens die Vorbehalte gegen Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit in Bezug auf Erhalt der europäischen Hilfe, sollten auch bei Spanien in Betracht gezogen werden. Im Konflikt mit Katalonien sind sie /die Rechtsverletzungen) zuhauf festzustellen, und das sollte nicht ignoriert werden.

A

Hinter dem Pandemievorhang

Die Wucht der zweite Welle der Pandemie in ganz Europa, die jetzt das dringendste Problem aller Länder ist, kann auch die Folge haben, dass für Europa die akuten Probleme der Katalanen mehr denn je als eine sehr kleine Störung am Rande gesehen werden könnten. Und weil das so ist, benutzt Spanien auch diese Gelegenheit, um die Repression gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung hinter dem Pandemievorhang noch härter zu betreiben. Mit Argumenten und Vorwänden, die von der paramilitärischen Guardia Civil konstruiert sind und sich zwischen lächerlich und haarsträubend bewegen.                                                            Opfer der  Razzien der Zivilgardisten sind fünf Akademiker und vier Unternehmer. Die fünf Akademiker waren von dem damaligen katalanischen Parlament als Mitglieder der Wahlkommission berufen, welche das Referendum vom Oktober 2017 überwachen sollten. Sie waren dafür besonders qualifiziert, weil sie alle diese Thematik beruflich recherchiert hatten. Dazu kommt, dass ihre Arbeit bei dieser Kommission von mehreren internationalen Verträgen geschützt war: die Europäische  Charta der Grundrechte, der Europäischer Pakt für Menschenrechte, der Internationale Pakt für Zivile- Soziale- und Kulturelle Rechte, und sogar von der spanischen Verfassung. Aber das ist kein Hindernis für Spanien in seinem Wahn die Befürworter der Unabhängigkeit zu terrorisieren und einzuschüchtern.                                                                                                    Den festgenommenen Unternehmern wird vorgeworfen, Aktivitäten der Unabhängigkeitsbewegung finanziert zu haben, und auch Teil eines Komplotts zu sein, um nach dem Referendum und der Ausrufung der Unabhängigkeit finanzielle und militärische Hilfe (10.000 Soldaten!) von Russland zu bekommen. Diese hirnverbrannte Räuberpistole ist von Russland nur mit ironischen Kommentaren gewürdigt worden und mit dem Satz, dass so was nicht sehr günstig für die spanische-russische Beziehung wäre.                                                                                                      Das alles lief bei der Guardia Civil unter dem Codenamen „Operation Wolkow“. Warum denn „Wolkow“?  Während des zweiten Weltkriegs fand bei Wolkow eine kleine Schlacht statt, in welcher es dem Franco-Freiwilligen-Korps „Blaue Division“, das an der Seite der Nazis kämpfte, das einzige Mal gelang, die Russen zurückzuwerfen. Um diesen Namen für eine polizeiliche Razzia zu benutzen, muss man schon wirklich den Denkapparat ausschalten und dazu fanatischer Nationalist und Franco Nostalgiker sein…                  Gestern, 30.10.  wurden zwar alle Festgenommenen wieder frei gelassen, aber erstens, der propagandistische Medienrummel war schon erreicht, und, zweitens, die Guardia Civil hat alle Computer, Mobiltelefone, etc. von ihnen einbehalten, um den Inhalt auszuwerten in der Hoffnung etwas Belastendes zu finden.                                                                                         Mehr Einzelheiten darüber kann man in diesen Artikeln lesen: https://www.heise.de/tp/features/man-greift-sich-einige-heraus-um-alle-abzuschrecken-4940827.html   https://www.heise.de/tp/features/Die-Russen-kommen-auch-nach-Katalonien-4942816.html                                                  Der katalanische Journalist und Gelehrte Antoni Strubell hat in einem sehr beachteten Artikel die These aufgestellt, dass Spanien kein wirklich demokratischer Staat sein kann, ohne seine antiseparatistische Phobie zu überwinden. Und dass ohne diese Prämisse, Spanien weiter die Heimat der Rechte Verweigerung und der Lynchjustiz gegen die Minderheiten sein wird, die es immer gewesen ist. Eine vollständige englische Übersetzung des Artikels können Sie hier lesen.  https://estudiscatalans.blogspot.com/2020/10/article-by-toni-strubell-spanis.html                                                                                                             Auch während der Pandemie können die europäischen Staaten nicht andere Probleme und Aufgaben ausschalten. Und das sollte auch nicht mit dem Konflikt Spanien-Katalonien geschehen. Der verschwindet nicht durch Nichtbeachtung, und ist außerdem eine echte Bedrohung für die Glaubwürdigkeit der Standfestigkeit der EÚ bei der Verteidigung ihrer ureigenen demokratischen Grundprinzipen.

Die Umstände eines Blitzbesuchs

In der deutschsprachigen Presse ist über die Umstände des Blitzbesuchs des spanischen Königs in Barcelona am vorigen 9.10. (anlässlich der Verleihung eines Wirtschaftspreises) meistens nur mit einer sehr unvollständigen Note von DPA berichtet worden. Es wird zwar erwähnt, dass fast keine Vertreter der katalanischen Institutionen an dem Festakt teilnahmen, aber ansonsten bekommt der Leser ein Gefühl von Normalität, das falsch wäre.                                                                                                             Vielleicht ist es nicht überflüssig daran zu erinnern, warum der spanische König in Katalonien so viel Ablehnung erfährt. Das hat er sich am 3.10.2017 selbst eingebrockt, zwei Tage nachdem bei dem Referendum in Katalonien, die spanische Polizei, mit äußerster Brutalität, friedfertige Bürger zusammengeschlagen hat (mehr als 1.000 Bürger mussten in Krankenhäusern behandelt werden). In seiner rede an jenem Tag, hat er nicht den geringsten Tadel erteilt, sondern im Gegenteil, er hat die Aktionen der Polizei als angemessen gelobt, und hat noch dem Hass gegen die Katalanen Nahrung gegeben, anstatt (wie es seine verfassungsmäßige Aufgabe ist) als Mittler zu versuchen Exzesse zu verurteilen und Verständnis für den geprügelten Bürger zu zeigen. Seitdem ist es so, wie jemand gesagt hat: „jedes Mal, wenn Felipe VI nach Katalonien kommt ist ein 3. Oktober“.                                                                                   Sonst wäre es nicht möglich gewesen, dass am Tag vorher in 134 katalanischen Ortschaften (auch in den größten Städte der Region) Gruppen von hunderten von Bürgern, vor den jeweiligen Rathäusern Fotos des Königs verbrannt hätten, und am Tag des Festaktes, in Barcelona auch ein riesiges Porträt von ihm ins Feuer geworfen wurde.                                       Es wird auch zu wenig (oder gar nicht) davon geschrieben, dass die Stimmung zwischen dem König und dem spanischen Regierungschef ziemlich frostig war. Neulich hat der König mehr als einmal zu verstehen gegeben, dass er eher an der Seite derer ist, die die jetzige Linksregierung wegfegen wollen. das aber nur am Rande.                                                                            Das ganze Areal um das Gebäude in dem die Veranstaltung stattfand (ein ehemaliges Bahnhof, in der Altstadt, in der Nähe des Hafens), war von massiven Polizeikräften weiträumig gesperrt, was nicht verhindern konnte, dass sich eine Menschenkette entlang der Route des Königs bildete, um mit Transparenten und Pfiffen ihre Ablehnung zu manifestieren. (Zum Beispiel mit einem Transparent auf dem stand: „Juan Carlos der Erste, Felipe der Letzte“). Ohne die Beschränkungen wegen der Pandemie wären Abertausende da gewesen. Aber es war genug, um zu zeigen, dass er unwillkommen war.                                                                                Der König wurde vom Flughafen direkt zum Veranstaltungsgebäude gefahren, da hat er eine ziemliche nichtssagende rede von 20 Minuten gehalten, und anschließend  wurde er wieder zum Flughafen gebracht und gleich nach Madrid zurückgeflogen. Er wurde also in einer Abschottungsblase gehalten, als ob er doch in Feindesland wäre. Kann sich jemand vorstellen, dass die britische Queen oder einer der anderen Monarchen in Europa, so was erlebt hätte? Natürlich wäre es keinem von denen eingefallen zu Prügeln gegen friedliche Untertanen zu applaudieren. Noch ein Unterschied zwischen echten und mangelhaften Demokratien.                                      Es ist auch nicht sehr hilfreich zur Beruhigung der Gemüter, dass seit dem damaligen Referendum, die spanische Polizei alles andere als zimperlich mit Protestierenden in Katalonien umgeht, allzu oft mit Vorwürfen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Mehrere Beispiele kann man hier lesen: https://www.heise.de/tp/features/Spanien-sieht-ueberall-Terroristen-und-pruegelt-friedliche-Protestler-4923585.html                                   Es ist richtig Demokratiemängel in Ungarn, Polen oder Türkei anzuprangern. Aber es ist nicht richtig solche gefährliche Auswüchse in Spanien nicht mit demselben Maß zu messen….

                                                                                                                                                                                                      

Die Absetzung des katalanischen Ministerpräsidenten

Der spanische Obergerichtshof im Zusammenspiel mit dem Obergerichtshof Kataloniens (der auch von Madrid ernannt wird) hat in einer flagranten Verletzung der Prinzipien eines Rechtsstaates, dem katalanischen Ministerpräsidenten Quim Torra das passive Wahlrecht für 1,5 Jahr aberkannt, was seine Absetzung als Ministerpräsident bedeutet, und dazu mit einer Geldstrafe von 30.000 Euro bestraft. Über den Vorfall hat die Presse im deutschen Sprachraum viel berichtet, aber leider meistens fehlerhaft, indem (wie so oft) die Version der Madrider Behörden ungefragt wiedergegebn wurde. Hier wird versucht diesen skandalösen Vorfall zu schildern, wie er aus katalanischer Sicht betrachtet wird.                                                                                                                              Es wird mehrfach berichtet, dass dieses Urteil gekommen ist, weil Präsident Torra sich geweigert hätte „“separatistische Symbole“ während der Wahlperiode von dem katalanischen Regierungssitz zu entfernen, und eine entsprechende Anweisung der Wahlbehörden nicht befolgt  hat.                                                                                                                                    Dazu muss bemerkt werden, das erstens es sich nicht um „separatistische Symbole“ sondern um einen Ruf  für die Freiheit der unrechtmäßig verurteilten politischen Gefangenen und für die Meinungsfreiheit, ohne Bezug auf bestimmte politische Parteien, handelt, und zweitens, dass die Wahlbehörde, eine untergeordnete Behörde ist und keinerlei Befugnis hat einen Präsidenten einer autonomen Region Befehle oder Anordnungen  zu erteilen, Deswegen wirft diese Entscheidung des spanischen Obergerichts viele juristische Fragen auf, wie Prof. Dr. Schönberger aus Bremen, in diesem Artikel ausgeführt hat:       https://www.change.org/p/sergio-matarella-presidente-della-repubblica-italiana-presidente-della-repubblica-italiana-solidarit%C3%A4t-mit-katalonien-f%C3%BCr-das-recht-auf-friedliche-selbstbestimmung/u/27799673                                                              In einem Interview, das Präsident Torra, vor seiner Absetzung dem Nachrichtenportal Vilaweb gegeben hat  ( https://www.vilaweb.cat/noticies/quim-torra-hem-de-ser-conscients-que-aixo-no-pot-continuar-aixi   )  hat Torra gemeint, dass er abgesetzt erden soll „weil er für die spanischen Behörden wie ein Stein in Schuh ist“, und dass er seine Absetzung besonders bedauert weil er gern weiter im Kampf gegen die Pandemie an der Seite der Bevölkerung Kataloniens  gewesen wäre.                                                                                                                              Es wird in Katalonien allgemein anerkannt, dass er gerade in diesem Kampf viel besser gearbeitet hat als die Zentralregierung. Mehrere seiner Entscheidungen über Gebietssperrungen oder verschärfte Maßnahmen, wurden von Madrid nachträglich ausgesetzt, nur um Wochen oder Monate später, eben viel zu spät, auch in anderen spanischen Gegenden dasselbe tun zu müssen. In den letzten Tagen hatte Torra vergeblich gebeten, Einreisende aus Madrid nach Katalonien (wenn nicht, wie es geeigneter wäre, Madrid und seine Region zu sperren) zu obligatorischen Tests und Quarantäne zu zwingen. Gerade am Anfang der Pandemie, in eine sehr gefährlichen Lage , hat Torra Ministerpräsident Sánchez gebeten, ja sogar gefleht, die totale Sperrung Kataloniens anzuordnen, weil man mit dem leben vieler Bürger spiele. Sánchez aber enttäuschte Torra mit seinen Ausflüchten, die wahrscheinlich daher rührten, dass er andere Prioritäten hatte. „Damals -sagt Torra- hatte ich den Eindruck, dass ich eben den wahren Sánchez kennengelernt hatte. Nämlich, eine Präsidenten, der Präsident sein und bleiben will, der kein Problem damit hat sich mit wem auch immer zu verbünden, oder jede Politik zu ändern, einen Dialog am Rundentisch oder eine Aufruhr Reform verschwinden zu lassen, um weiter Regierungschef zu bleiben. Ich habe niemand kennengelernt der gewundenen aufgetreten ist, als Präsident Sánchez. Es ist brutal gewesen ihn in den letzten zwei Jahren zu sehen, als ob ein Gaukler wäre, der und mit Trickspielen verwirrt, um weiter sein Amt zu behalten“.                      Und über die Pandemie: „…die Zahlen sind nie ganz genau, aber die Generalitat  [Kataloniens Regierung] gibt die Endzahlen. Wie gehen zu den Begräbnis Anstalten , um sagen zu können was im Lande geschieht. Wir geben nicht nur die Krankenhauszahlen, und deswegen erzählen Spaniens Zahlen nicht die schreckliche Tragödie. die sich abspielt“.                                                                                                                       Und Torra meint, dass das jetzige System der Autonomie obsolet geworden ist. „Wir haben ein Parlament, das seine Entscheidungen nicht verwirklichen kann, wir haben 2.850 Bürger, die Opfer von Repressalien sind, und wir werden einen Präsidenten Haben, der abgesetzt wird, weil er die Meinungsfreiheit verteidigt hat… Wir können nicht innerhalb solcher Grenzen bleiben… früher oder später wird ein kollektiver Sprung der Nation notwendig sein… Und das kann nur ein demokratischer Bruch sein…“                                                                                                                      Einen genauen Bericht des Geschehens und der Reaktionen, die es verursacht hat, kann man in diesem exzellenten Artikel von Ralf Streck lesen.     https://www.heise.de/tp/features/Spanische-Justiz-stuerzt-erneut-katalanische-Regierung-4914441.html                                                   Wieder gießen spanische Politik und Justiz Öl ins Feuer  des katalanischen Konflikts, und stärken damit die Entschiedenheit vieler Katalanen sich von diesem Staat zu trennen, indem die Willkür und die Verletzung der Gesetze gang und gebe ist.                                                                                                   Und während zwischen der spanischen Zentralregierung und der konservativen Ministerpräsidentin der Region Madrid das Schachern um die Bedingungen für die Sperrung der Region weiter ging, wurde das Virus ungehindert weiter Von Madrid aus verbreitet und Spanien marschierte blindlings zu dem vielleicht größten wirtschaftlichen Debakel seit dem Bürgerkrieg. Aber für den spanischen Nationalismus ist die Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens (an deren Wachstum er selbst Schuld ist) schlimmer als Covid19.                                                                       Jetzt sind neue Maßnahmen in Kraft getreten, die die Wissenschaftler als ungenügend betrachten, aber, wie einer gesagt hat „das Kind ist schon im Brunnen gefallen…“  Einzelheiten darüber sind hier zu lesen:  https://www.heise.de/tp/features/nun-wird-Madrid-doch-abgeriegelt-4917516.html                                                                                                              Es kommen für Spanien und Katalonien sehr stürmische Zeiten…                           

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

Ignoranz oder Anmaßung?

Am 15,09,20 hat der sehr renommierte Journalist Vicent Partal in der Digitalzeitung Vilaweb, deren Direktor und Chefredakteur er ist, einen bemerkenswerten Artikel veröffentlicht, den ich hier im Ganzen wiedergebe. Das sollte wahrlich vielen Deutschen über den dubiosen Charakter der jetzigen  spanischen Demokratie zu denken geben. Ob die spanischen Politiker, in dem von ihm beschriebenen Fall, von Ignoranz oder Anmaßung geleitet wurden spielt keine Rolle. Beides ist gleich schlimm… Hier der Text von Herrn Partal:                                                                                                    

       Der 8. Mai: Eine Beleidigung von Sànchez für die republikanische Erinnerung.

Die spanische Regierung verabschiedete gestern einen Gesetzentwurf, mit vielen Maßnahmen, die -so wurde behauptet- das Ziel haben den Franquismus auszurotten. Die darin mit viel Pathos empfohlenen Maßnahmen stehen im allgemeinen weit unter denen, welche andere Nationen ergriffen haben, wo auch der Faschismus regierte. Die Stiftung Francisco Franco zu illegalisieren, ohne gleichzeitig den Franquismus auch zu illegalisieren, ist ein Wiedersinn.

Gleich wohl, es gibt einen Punkt in dem neuen Gesetz, der mich besonders empört hat: die Absicht den 8. Mai als Feiertag  zur Ehre der Spanier, welche gegen den Faschismus gekämpft haben, auszurufen. Ich bin nicht empört, weil sie das nicht verdient hätten -sie haben das immer verdient, ohne Ausnahme- sondern weil, das innerhalb eines postfranquistischen Regimes zu tun, ohne jemals Vergangenheitsbewältigung geleistet zu haben, ist kurz und einfach, die Erinnerung (der Republikaner, Antifranquisten und Antifaschisten) zu beleidigen. Und das, mit der klarer Absicht ein Spanien weißzutünchen, das, auch wenn es es zu verbergen versucht, wohl weiß, dass es anders ist als die anderen europäischen Demokratien.

Es ist empörend, dass Spanien sich in der Reihe der Sieger über den Faschismus im zweiten Weltkrieg einzuschleichen versucht, als ob es an der Seite der Guten gewesen wäre. Als ob Spanien da gewesen wäre und als ob es etwas getan hätte um das auszugleichen. Weil, man muss daran erinnern, dass wir immer noch in einem Staat leben, in dem noch im vorigen Jahr der Obergerichtshof Franco offiziell als Staatschef seit dem ersten Oktober 1936 anerkannte und damit den faschistischen Staatstreich auch als legale Grundlage des Staates anerkannte. Und es dreht sich auch nicht nur um das offizielle Leben. Der Franquismus lebt weiter in den kleinsten Einzelheiten. Zum Beispiel in der offiziellen Nummerierung der Zeitung „La Vanguardia“, wie weiter, um Franco zu Ehren, der Praxis folgt die 772 Ausgaben während des Bürgerkriegs nicht mitzuzählen, und niemand nimmt Anstoß daran.

Unsere Straßen sind weiter voll mit toten Demokraten, die für die Republik kämpften, und der spanische Staat tut weiter nichts, um ihrer zu gedenken und sie zu ehren. Auch nicht dieses neue Gesetz.

Aber, wisst ihr  was? Das spanische Konsulat in Sankt Petersburg hat angegeben, dass jetzt, in dieser Woche, sieben Leichen von faschistischen Soldaten der Blauen Division vorbereitet sind, um heimgebracht zu werden, auf Kosten des Staates, konkret auf Kosten des Verteidigungsministerium.  Und darüber erwähnte Carmen Calvo [spanische Regierungsvizepräsidentin] trotz des ganzen Pathos, dass sie benutzte, kein Wort. Tatsache ist, dass seit 2003 Spanien 23.000 Euro verwendet hat, zur Repatriierung von 29 Leichen von spanischen Soldaten, die bei der Verteidigung des Nazismus gestorben sind. Und absolut keinen Euro, um tote Soldaten heimzuholen, die bei der Verteidigung der Demokratie starben.

Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Aber es ist nützlich, um den Kontrast des Ganzen mit Deutschland aufzuzeigen. Ein krasser Kontrast. Weil dort die Entnazifizierung eine Politik war, die so massiv und gewissenhaft durchgeführt wurde, das Ende 1951, die großen Nazibonzen entweder tot oder vor Gericht  gestellt waren.

Erlauben Sie mir eine kurze Übersicht zu machen, so dass es zu verstehen ist, wie empörend es ist, dass Spanien auch den Feiertag des 8. Mai für sich zu benutzen versucht.

Deutschland hat  in diesen ganzen Jahren 53 Milliarden Euro an die Opfer des Nazismus oder an ihre Familien bezahlt. Das ist wahrlich historische Erinnerung.

Deutschland errichtete schon 1949 das erste Denkmal für die von Nazis Ermordeten in Buchenwald, und seitdem hat es nicht aufgehört sie zu ehren und hat praktisch solche Denkmäler in jedem Ort und in jeder Stadt errichtet. Das ist wahrlich historische Erinnerung.

Als die Berliner Mauer fiel 1989, war es unbestritten, dass das beste freie Grundstück in der Stadtmitte für das beeindruckende Denkmal zu Ehren der von den Nazis ermordeten Juden benutzt werden sollte -45 Jahre danach!-. Das ist wahrlich historische Erinnerung.

Und es ist ersichtlich, dass in Deutschland keine einzige Straße, kein einziges Denkmal, kein einziger Friedhof, gar nichts, an der Wehrmacht, an das Naziregime oder an Adolf Hitler erinnert. Das ist   wahrlich historische Erinnerung.

Deutschland änderte seine Flagge gleich nach dem Ende des Krieges. Uns übernahm eine, welche die Farben von Baden und von Württemberg verband und die Fahne der liberalen Revolution von 1848 gewesen war. Um nichts mehr mit der Flagge des Naziregimes zu tun zu haben, die verboten wurde. Das ist wahrlich historische Erinnerung.

Seit vielen Jahren war es eine obligatorische schulische Tätigkeit, die Nazi Kzs zu besuchen, besonders Dachau, so dass die Kinder begreifen konnten, welchen Horror ihr Land verursacht hatte. Millionen von Kindern sind da gewesen. Das ist wahrlich historische Erinnerung.

Und nach der Premiere des Films „Schindler Liste“ empfahlen die Bundes- und Länderregierungen den Bildungseinrichtungen den Film zu zeigen und besorgten Kopien dafür, so dass kein Heranwachsender vergessen sollte, was Deutschland und die Nazis getan hatten. Das ist wahrlich historische Erinnerung.

Deutschland, um das abzuschließen, bat 2008 um Vergebung, weil es den katalanischen Präsidenten Companys an Spanien ausgeliefert hatte. Spanien weigerte sich noch gestern dasselbe zu tun.

Aber, wisst ihr? Deutschland feiert nicht der Tag des 8. Mai 1945 als Tag des Sieges, aus Scham. Es wagt so was nicht.  Dieses Jahr ist eine Polemik entstanden, weil die Stadt Berlin es gefeiert hat, und die Bundesregierung hat bekräftigt, dass Deutschland nicht würdig ist den sieg über den Faschismus zu feiern, wegen der Kollektivschuld der  Nation. Und hat daran erinnert, dass die Rolle des deutschen Staates darin besteht, die Schuld anzuerkennen, den verursachten Schaden zu reparieren und weiterhin dafür zu kämpfen, dass ein Regime wie das der Nazis niemals zurückkehrt.

Und jetzt vergleicht ihr die deutsche Würde, mit der Nachricht, dass Spanien am 8. Mai feiern wird, als ob es die Geschichte nicht gegeben hätte und als ob alles manipulierbar wäre.

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Bis hier der Text von Vicent Partal. Mehr Einzelheiten bei diesen spanischen Gesetzentwurf kann man lesen in diese dokumentierte        Information von Ralf Streck:  https://www.weise.de/tp/features/Aufarbeitung-der-Franco-Fiktatur-mit-45-Jahren-Verspaetung-4904173.html

Ein anderer Artikel von Streck behandelt ein Thema, dass den nächsten Skandal in dem Konflikt  Katalonien-Spanien betrifft, der demnächst gravierenden Folgen haben und in diesem Blog bestimmt behandelt werden wird. Es ist der Prozess gegen den jetzigen katalanischen Regierungschef und wahrscheinlich mit einem willkürlichen Amtsverbot enden wird. Und das nur wegen eines Transparents für die Freiheit der politischen gefangenen und für die Meinungsfreiheit. Siehe den Teil „Causa Torra“ in dem Artikel.   https://www.heise.de/tp/features/Spanische-Wahlkommission-fuehrt-juristischen-Krieg-gegen-Katalanen-4628068.html 

                                                                                                                                                                                       

Großdemos in Pandemiezeiten

Seit Jahren war die Riesendemonstration in Barcelona am 11. September für die Unabhängigkeit Kataloniens schnell in allen Fernsehen der Welt. Dieses Jahr aber hat die Pandemie alles geändert, und da die diesjährige Demo keine spektakulären Bilder geliefert hat, könnten viele irrtümlich denken, dass die Katalanen resigniert haben.                                     Nichts wäre verkehrter als das. Anstatt eine Demo zu machen, wo Groß und Klein, Alt und Jung, die Hauptstraßen der katalanischen Hauptstadt überschwemmen, hat das Coronavirus die Katalanen zu einem anderen Format gezwungen, dass -meiner bescheidenen Meinung nach- nicht weniger bewundernswert war als das gewohnte. Wenn manche deutschen Korrespondenten die dezentralisierten Demos von diesem 11. September kritisiert haben und schreiben, dass „die Separatisten sich nicht um die Corona Regeln geschert haben“, kann ich nur denken, dass sie die zahlreichen Fotos nicht gesehen haben, die für jedermann zugänglich waren.                                                                    Dass unter den jetzigen Umständen, die Beteiligung an der Demo begrenzt sein musste, war von vornherein klar. Deswegen haben die Organisatoren, die Ortsgruppen der Zivilorganisationen ANC, Omnium und AMI in 88 Städten 131 Treffpunkte eingerichtet, bei denen die Demonstranten (die sich vorher namentlich eintragen mussten um einen Platz zugewiesen zu bekommen) auf Stühlen oder auf genau markierten und ausreichend getrennten Plätzen ohne sich zu bewegen die jeweiligen Redner hören konnten. Es waren von vornherein drei Gruppen von der Demo ausgeschlossen : Personen mit irgendeiner Krankheit, Minderjährige und alte Menschen ab 60 Jahren. Insgesamt haben sich 59.500 Bürger eingetragen, davon 10.000 in Barcelona, die sich en verschiedenen Orten, vor Institutionen oder Einrichtungen der spanischen Zentralregierung in der Stadt verteilten. Mehr Einzelheiten kann man in diesem ausgezeichneten Artikel von Ralf Streck lesen: https://www.heise.de/tp/features/Dezentraler-Protest-fuer-die-katalanische-Unabhaengigkeit-4891368.html                               Auf einer breiten Allee in der Nähe der Altstadt, vor dem Gebäude des Justizpalastes, wo ein Teil der in Katalonien tätigen Gerichte seinen Sitz hat, wurden 2.800 leere Stühlen aufgestellt, einen für jeden Bürger, der irgendwie verfolgt und bestraft worden ist oder auf einen Prozess wartet, aus Gründen, die mit dem Referendum von Oktober 2017 oder mit den Protesten gegen die willkürlichen Strafen, die in dem Skandalprozess gegen die katalanischen politischen gefangenen verhängt wurden, zu tun haben.                     Insgesamt soll es die größte Demo, die in Europa unter Corona Bedingungen stattgefunden hat, gewesen sein. Das ganze ist eine ungeheuer große organisatorische und logistische Leistung gewesen, welche die Arbeit von unzähligen Freiwilligen erfordert hat. Dazu kommt die tadellose Eigendisziplin der Demonstranten, die sich so sehr von Bildern von unverantwortlichen Massen vieler Orts, auf Stränden, oder in Gruppenfeiern unterscheidet.                                                         Dazu, durch eine entsprechende App, wurde eine virtuelle Demo organisiert, mit deren Verbindungen die Ausbreitung des Unabhängigkeitswunsches im ganzen Land gezeigt werden sollte.                                                                     Das alles macht mich, mit Verlaub, sehr stolz auf meine Landsleute. Mit oder ohne Pandemie, Spanien hat weiter seine wichtigsten ungelösten Problemen in Katalonien. Und trotz der vielen Herausforderung der jetzigen Zeit, wäre Europa schlecht beraten, wenn es das ignorieren würde.                  P.S. Wegen der im vorigen Artikel erklärten Schwierigkeiten mit dem neuen System von WordPress,  ersetze ich die Absatztrennungen mit einem leeren Raum zwischen Ende und Anfang der Sätze. Ich bitte um Entschuldigung dafür.