Schwarze Löcher

In der Astrophysik sind Schwarze Löcher Monsterphänomene im Weltall, die alles in ihre Nähe aufsaugen und zerstören. Im jetzigen spanischen Staat gibt es auch Institutionen, die genau so zerstörerisch und anscheinend so unbeherrschbar sind und fest in der Hand des spanischen Ultranationalismus stehen. An vordersten Stelle sind es die spanischen Hohe Gerichte, die Nationale Polizei und die Guardia Civil, die trotz seine „zivile“ Bezeichnung ein paramilitärisches Korps ist, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das heute in jedem demokratischen Staat überflüssig werden sollte. Hier möchte ich nur zwei Beispiele nennen, welche in den letzten Tagen den Charakter und die „Qualität“ der Guardia Civil beleuchtet haben.

Der erste Beispiel. Die Guardia Civil und ihre eigenen Geheimdienste sind besonders aktiv gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung gewesen, und haben sich als Meister in der Erdindung falscher Anklagen und falscher Beweise gegen die Katalanen erwiesen. Eine dieser Anklagen (die überall nur ein Kopfschütteln hervorbrachten) war die Behauptung, dass die katalanische Unabhängigkeitsbewegung von Russland unterstützt wurde, um damit den Westen  zu destabilisieren, und sogar bewaffnete Unterstützung versprochen hatte. Um diese These zu untermauern wurde von der Guardia Civil die sogenannte „Operation Volhov“ in Gang gesetzt (Name eines Ortes in Russland, wo im zweiten Weltkrieg die Franco-Freiwilligen der „Blauen Division“ an der Seite von Hitlerstruppen gegen die sowietische Armee kämpften). Neulich glaubte ein Agent der Guardia Civil endlich die ersehnten Beweise gefunden zu haben. Statdessen har er eine der größten Blamagen in der Geschichte der Guardia Civil verursacht.

Einer der engsten Freunde des illegal abgesetzten katalkanischen Präsident Carles Puigdemont ist der Historiker, Schriftsteller und Übersetzer Prof. Josep Alay, der Puigdemont begleitete, als dieser 2018 auf spanische Geheiss in Deutschland festgesetzt wurde. Das war Grund genug, um von der Guardia Civil auf alle möglichen Arten schikaniert zu werden, u.a., mit der Beschlagnahme von Alays Computer und Handys. Bei der Überprüfung der Inhalte dieser Geräte, fand der erwähnte Agent eine Seite mit einem detaillierten Bericht über die Struktur und Funktionen der russischen Geheimdienste, und er meinte auf Gold gestossen zu haben. Er präsentierte schnurstracks diesen „Beweis“ dem zuständigen Richter, der genau so schnell die ominöse Seite in dem Anklagendossier gegen Alay heftete. Und wie so oft in Spanien in solchen Fällen, wurde diese „Entdeckung“ an befreundete Journalisten filtriert und von diesen veröffentlicht. Und hier platzte die Seifenblase.

Eines der Bücher, die Josep Alay aus dem Russischen ins Spanische und Katalanische übersetzt hat, ist ein Roman der Russin Elena Vavilova, in dem sie ihre Geschichte als KGB-Geheimagentin in den USA verarbeitet hat, und das zur Grundlage für die erfolgreiche Fernsehserie „The Americans“ wurde. Und die „ominöse Seite“ war einfach die erste des Buches, wie ein einfacher Vergleich bewies.

Die Reaktion (und nicht nur in Katalonien) war einerseits ein generelles Auflachen über diese Professionalität“, und andererseits eine auch generelle Empörung darüber, dass so ein Fiasko ohne Folgen für Agent, Richter und Journalisten blieb, Was sollte man aber anders erwarten in einem Land, in dem Agenten der Guardia Civil und der Nationale Polizei mit zahlreichen Orden belohnt wurden, weil im Oktober 2017 friedliche Bürger, die nur in einem Referendum von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen wollten, brutal verprügelten?

Das zweite Beispiel. Der Brigadegeneral der Guardia Civil Arturo Prieto ist neuerdings zum Oberkommandierer des Korps in der autonomen Region Valencia befördert worden. Normalerweise wäre so eine Ernennung eine Nachricht am Rande, die nur von internem Interesse für die Guardia Civil wäre. Es ist aber so, das General Prieto, der vor wenigen jahren im Baskenland stationiert war, hat dort bewiesenermassen mindestens in drei Fällen Gefangene gefoltert. Dabei unterscheidet er sich zwar nicht von anderen spanischen Polizisten, welche die Folter als „normale“ Methode angewendet haben, um Geständnisse oder Informationen von Gefangenen zu bekommen.. Aber dass ein solcher Polizeioffizier in eine wirkliche Demokratie auf sehr hohe Posten befördert würde, wäre -glaube ich- unvorstellbar. Aber wie der touristische Slogan in der Francozeit lautete „Spain is different“

Das alles sind auch kleine Steine in dem grossen Mosaik, dass Spanien zu einem Land macht, dass Millionen von Katalanen lieber heute als Morgen verlassen möchten. Kann man ihnen das verdenken?

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