Großdemos in Pandemiezeiten

Seit Jahren war die Riesendemonstration in Barcelona am 11. September für die Unabhängigkeit Kataloniens schnell in allen Fernsehen der Welt. Dieses Jahr aber hat die Pandemie alles geändert, und da die diesjährige Demo keine spektakulären Bilder geliefert hat, könnten viele irrtümlich denken, dass die Katalanen resigniert haben.                                     Nichts wäre verkehrter als das. Anstatt eine Demo zu machen, wo Groß und Klein, Alt und Jung, die Hauptstraßen der katalanischen Hauptstadt überschwemmen, hat das Coronavirus die Katalanen zu einem anderen Format gezwungen, dass -meiner bescheidenen Meinung nach- nicht weniger bewundernswert war als das gewohnte. Wenn manche deutschen Korrespondenten die dezentralisierten Demos von diesem 11. September kritisiert haben und schreiben, dass „die Separatisten sich nicht um die Corona Regeln geschert haben“, kann ich nur denken, dass sie die zahlreichen Fotos nicht gesehen haben, die für jedermann zugänglich waren.                                                                    Dass unter den jetzigen Umständen, die Beteiligung an der Demo begrenzt sein musste, war von vornherein klar. Deswegen haben die Organisatoren, die Ortsgruppen der Zivilorganisationen ANC, Omnium und AMI in 88 Städten 131 Treffpunkte eingerichtet, bei denen die Demonstranten (die sich vorher namentlich eintragen mussten um einen Platz zugewiesen zu bekommen) auf Stühlen oder auf genau markierten und ausreichend getrennten Plätzen ohne sich zu bewegen die jeweiligen Redner hören konnten. Es waren von vornherein drei Gruppen von der Demo ausgeschlossen : Personen mit irgendeiner Krankheit, Minderjährige und alte Menschen ab 60 Jahren. Insgesamt haben sich 59.500 Bürger eingetragen, davon 10.000 in Barcelona, die sich en verschiedenen Orten, vor Institutionen oder Einrichtungen der spanischen Zentralregierung in der Stadt verteilten. Mehr Einzelheiten kann man in diesem ausgezeichneten Artikel von Ralf Streck lesen: https://www.heise.de/tp/features/Dezentraler-Protest-fuer-die-katalanische-Unabhaengigkeit-4891368.html                               Auf einer breiten Allee in der Nähe der Altstadt, vor dem Gebäude des Justizpalastes, wo ein Teil der in Katalonien tätigen Gerichte seinen Sitz hat, wurden 2.800 leere Stühlen aufgestellt, einen für jeden Bürger, der irgendwie verfolgt und bestraft worden ist oder auf einen Prozess wartet, aus Gründen, die mit dem Referendum von Oktober 2017 oder mit den Protesten gegen die willkürlichen Strafen, die in dem Skandalprozess gegen die katalanischen politischen gefangenen verhängt wurden, zu tun haben.                     Insgesamt soll es die größte Demo, die in Europa unter Corona Bedingungen stattgefunden hat, gewesen sein. Das ganze ist eine ungeheuer große organisatorische und logistische Leistung gewesen, welche die Arbeit von unzähligen Freiwilligen erfordert hat. Dazu kommt die tadellose Eigendisziplin der Demonstranten, die sich so sehr von Bildern von unverantwortlichen Massen vieler Orts, auf Stränden, oder in Gruppenfeiern unterscheidet.                                                         Dazu, durch eine entsprechende App, wurde eine virtuelle Demo organisiert, mit deren Verbindungen die Ausbreitung des Unabhängigkeitswunsches im ganzen Land gezeigt werden sollte.                                                                     Das alles macht mich, mit Verlaub, sehr stolz auf meine Landsleute. Mit oder ohne Pandemie, Spanien hat weiter seine wichtigsten ungelösten Problemen in Katalonien. Und trotz der vielen Herausforderung der jetzigen Zeit, wäre Europa schlecht beraten, wenn es das ignorieren würde.                  P.S. Wegen der im vorigen Artikel erklärten Schwierigkeiten mit dem neuen System von WordPress,  ersetze ich die Absatztrennungen mit einem leeren Raum zwischen Ende und Anfang der Sätze. Ich bitte um Entschuldigung dafür.

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