Viel Lärm um Nichts

Am vorigen 26. Februar hat zu dem vorgesehenen Dialog zwischen der spanischen und der katalanischen Regierung  über die Zukunft Kataloniens die erste Sitzung stattgefunden. Sofort haben die europäischen Berichterstatter  die Hoffnung ausgesprochen, dass dadurch eine Lösung des katalanischen Konflikts auf dem besten Weg wäre. In der Zeitschrift „Foreign Affairs“ kann man zum Beispiel lesen, dass Pedro Sánchez, anders als sein Vorgänger Rajoy, „durch Mäßigung und Dialog“ die Einheit erhalten will. Es tut mir leid dieser angesehenen Zeitschrift widersprechen zu müssen. Um diesen „Dialog“ zu beschreiben werde ich zwei Titel von Komödien von Shakespeare benutzen: wir können den Europäer nicht „Wie es Euch gefällt“ anbieten, sondern es handelt sich (leider) um „Viel Lärm um Nichts“.

Die Ausgangslage beider Seiten ist so extrem entgegengesetzt, dass es sich in Wirklichkeit um zwei Monologe handelt, die am selben Tisch stattfinden. Selbstverständlich mussten die Katalanen diese Tür offen gehalten, so dass niemand ihnen einen Mangel an Gesprächsbereitschaft vorwerfen könnte. Aber die Ereignisse der letzten fünf Jahre haben zu einer Situation geführt, dass keine der beiden Gesprächspartner eine Lösung anbieten oder ihr zustimmen kann, die beide Seiten zufriedenstellen könnte.

Schon die mageren Ergebnisse der ersten Sitzung sind schon auf mittlere oder längere Sicht alles andere als tragfähig. Die Delegierten der beiden Regierungen sollen sich einmal im Monat treffen, und jedes halbe Jahr sollen die Regierungschefs einmal an den Sitzungen teilnehmen. Das entspricht den Wünschen und der Taktik der spanischer Seite, die Katalanen an der langen Leine zu halten, und ein Ergebnis oder ein Scheitern des „Dialogs“ erst in drei oder vier Jahren festzustellen, und damit in Ruhe zu regieren, mit der Komödie dieses „Dialogs“ alles auf ein totes Gleis verbannt zu haben, wie eine lästige notwendige Übung.

Aber auch wenn einige der jetzigen katalanischen Politiker vielleicht zu geduldigen, sehr langen Verhandlungen bereit sind, ist sehr zweifelhaft, dass bei den nächsten vorgesehenen katalanischen Wahlen, die im Sommer oder allerspätestens Anfang Oktober stattfinden sollen, die Wähler diese „Komödie der Irrungen“ gutheißen werden. Das Wahrscheinlichste ist, dass der politische Parteispektrum in Katalonien große Änderungen erfahren wird, und dass jene Parteien oder Listen, die klar sagen, dass sie nicht weiter willens sind, diesen unfruchtbaren Dialog ohne wesentliche Fortschritte weiter zu führen, eine ausreichende Mehrheit im katalanischen Parlament erreichen und damit alles wieder auf Startposition zurückgeworfen wird.

Etwas sollten die europäischen Beobachter  auch zur Kenntnis nehmen. Der katalanischer Exilpräsident Puigdemont hat mal in einem Interview gesagt, dass „auch eine Lösung unterhalb der Unabhängigkeit denkbar sein kann“. Das heißt, dass ein Angebot Spaniens mit starken föderalen oder konföderalen Komponenten vielleicht große Chancen haben könnte von der katalanischen Bevölkerung akzeptiert zu werden. Leider aber würden die spanischen Ultranationalisten, die in allen spanischen Parteien vertreten sind, unter großen Verratsgeschrei so eine Lösung torpedieren. Schon eine Lösung, die schon vorhanden war und nicht mal echte Föderationsmerkmale hatte, wie der letzte katalanische Autonomiestatut, wurde -wie sattsam bekannt- von Spanien bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, und damit erst das Wachstum der Unabhängigkeitsbewegung möglich gemacht. Auch wenn Sánchez -aus puren Opportunismus- willens wäre den Katalanen sehr weit entgegenzukommen, würde er sich gegen die große nationalistische Mehrheit in der Opposition und in den eigenen Partei nicht durchsetzen können. Und so, solange diesen „Dialog“ dauert, nichts anderes werden kann, als „Viel Lärm um Nichts“.

Über die Einzelheiten dieses komplizierten politischen spanischen Labyrinths berichtet -akkurat und exakt wie immer- Ralf Streck in diesem Artikel:

https://www.heise.de/tp/features/Erzwungene-Verhandlungen-zwischen-Spanien-und-Katalonien-beginnen-4668578.html

Über die große katalanische, republikanische Kundgebung, am 29.02.20 in Perpignan (katalanisch: Perpinyà) und ihre möglichen Folgen werde ich demnächst auch hier berichten.

6 Kommentare

  1. R.

    Höre ich da leichte Anti-separatistische Untertöne aus Ihrer Schreibe? Wie den das? Haben Sie sich zwischenzeitlich mal mit normalen Einwohnern Kataloniens unterhalten?
    Im übrigen können Sie auch ruhig mal kommentieren, dass fast alle verurteilten katalanische Politiker auf freiem Fuss sind. Trotz mehrjähriger Haftstrafen.

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    • Pere Grau Rovira

      Herrn R. : Vielleicht haben Sie nicht kapiert, dass die Katalanen für die Unabhängigkeit sind, weil Spanien ihnen kein anderer Weg gelassen hat. Wäre dieser Weg möglich hätte man zu der jetzigen Lage nicht gekommen. Das festzustellen, ändert nicht an die Unausweichlichkeit der Unabhängigkeit auf kurz oder lang… Was sind für Sie die „normalen Katalanen“? Die Wähler von Ciudadanos?

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      • R.

        Den Indepes wird seit 40 Jahren von Politikern ins Gehirn geschissen und indoktriniert. Da wird das teilweise unfähige Verhalten von Spanien ausgenutzt, um sie schon von Kind auf zu indoktrinieren. Das katalanische „Staatsfernsehen der Repuplik TV3“ tut ein übriges. Selbst in den wichtigsten Schulbüchern wird Geschichtsverfälschung und selbst offensichtliche Lügen verbreitet. Sie sollten sich mal mit einen Ex-Separatist unterhalten, der lange genug hinter die Kulissen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung gesehen hat und der 1 und 1 zusammengezählt hat. Da werden dann plötzlich militante Unionisten draus, weil es ihnen dermaßen stinkt, so lange so sehr verarscht worden zu sein.
        Und reden Sie mal mit Katalanen, die mehrere Sprachen sprechen und international tätig sind. Deren Tellerrand ist meist niedriger, die sehe besser drüber als der subventionierte Tractorista aus Olot oder Ripoll.

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      • Pere Grau Rovira

        Ach, Herr R… Die Spanier werden seit drei Jahrhunderte „indoktriniert“ in den Schulen uns überall, mit der Intoleranz gegen den anderen Völker des Staates. Und der sogenannten Einfluss von TV3, etc. ignoriert die Tatsache, dass die Katalanen Augen, Ohren und besonders eine sehr lange, leidige Erfahrung haben um selbst urteilen zu können was wahr sei und was nicht. Und besonders jene die mehrere Sprachen sind meistens indepes. Aber, ich weiß, ich werde Sie nicht überzeugen können. Aber schauen Sie mal, wer ist es , dass die eigene Gesetze und die eigene Verfassung verletzen. Es sind die spanische Hohe Gerichte, zum entsetzen aller internationalen Beobachtern. Die Erdoganisierung Spaniens schreitet unaufhaltsam voran…

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  2. Wolfgang Dewor

    katalanische, republikanische Kundgebung, am 29.02.20 in Perpignan (katalanisch: Perpinyà)
    Was eine Demonstration des katalonisches Spaltpilzes Puigdemont in Frankreich zu suchen hat, erschliesst sich nicht ohne weiteres. Oder möchte dieser Herr sein irres Gedankengut nach Frankreich rübertragen? Eine Frage noch: wollen Sie von diesem Event „berichten“ oder wollen Sie wie immer Ihre eigengefrärbte Sicht der Welt publizieren ?

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    • Pere Grau Rovira

      Herr Dewor,
      Was die Kundgebung in Frankreich zu suchen hatte, können Sie in den Artikel, dass ich heute hier hängen werde. Und was die „eigengefärbte Sicht der Welt“ betrifft, jeder hat seine. Ich genauso gut wie Sie. Kein Mensch zwingt Sie meine Artikeln zu lesen…

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