Ein entlarvendes Manifest

Allen Demokraten in Europa. die ehrlich (oder leichtgläubig) noch an eine echte Demokratie in Spanien glauben, sollte ein neulich in Spanien erschienenes Manifest eines Besseren lehren. Weil etwas nur entfernt ähnliches in Deutschland absolut unvorstellbar wäre.

Was ist geschehen? 181 pensionierte, hohe Militäroffiziere (Oberste, Oberstleutnants, Admiräle, Fregattenkapitäne, etc.) haben ein Manifest unterschrieben mit dem Namen „Erklärung von Respekt und Genugtuung für Don Francisco Franco Bahamonde, Soldat von Spanien“.

https://ame1.org.es/6750-2/

https://www.larazon.es/espana/manifiesto-de-177-militares-retirados-por-el-soldado-de-espana-AD19296134

https://www.europapress.es/nacional/noticia-casi-200-militares-retirados-firman-declaracion-defensa-franco-20180801151843.html

Die Unterzeichnenden meinen, dass es „eine niederträchtige Kampagne“ gegen ihn gibt, und das seine Person „diffamiert worden ist, in unvorstellbarer Maße“ . Weiter wird gesagt, dass „seit seinem Tod, die Persönlichkeit Francos Ziel von permanenten Attacken gewesen ist mit dem Ziel, langsam aber ständig jede Erinnerung an sein Wirken für Spanien an die historischen Momenten, in denen er leben musste, zu tilgen“. Und weiter: „Die politische Linke und die ihr zugeneigten Medien haben eine maßlose und schwer begreifliche Kampagne gegen ihn auf den Weg gebracht“. Und das alles „um die Wirklichkeit des territorialen Zusammenbruch der Nation zu verschleiern“. Sie wehren sich dagegen, dass -wie von der neuen spanischen Regierung beabsichtigt- die sterblichen Reste  Francos aus dem „Tal der Gefallenen“ entfernt werden und möchten, dass das „Tal“ als Denkmal der nationalen Aussöhnung erhalten werde.

Aus mehreren Gründen ist das wirklich starker Tobak. Ein Diktator, der (schon abgesehen von den hunderttausenden Opfern des Bürgerkrieges) hunderttausendmal blutige Rache an „Roten, Separatisten und Freimaurern“ (die drei Obsessionen Francos, womit aber in der Praxis alle Demokraten, die sich gegen ihm gestellt hatten gemeint waren) jahrelang nahm; der die monströse Anlage des sogenanntes „Tales der Gefallenen“ als eigenes Mausoleum von Zwangsarbeitern erbauen ließ, die bei den republikanischen Gefangenen ausgehoben wurden und dort in große Zahl durch die unmenschliche  Behandlung starben; der keineswegs es in den Sinne hatte ein „Denkmal der Aussöhnung“ zu errichten, sondern ein Siegesdenkmal für seinen faschistischen Putsch und zum eigenen Ruhm. Und so ein unmenschlicher Massenmörder, der sich als „Retter des Vaterlandes“ feiern ließ, wird jetzt von Militärs, die ihre Karriere unter dem Diktator hatten, und mit einer ähnlichen Gesinnung erzogen wurden, immer noch verteidigt und verherrlicht.

Gewiss, es sind alte, pensionierte Offiziere, aber es wäre falsch zu vermuten, das unter den heutigen Militärs nicht auch viele noch gibt, die Franconostalgiker sind. Es gibt natürlich auch andere. Der Putsch der Guardia Civil im Februar 1981 hätte Erfolg gehabt, wenn nicht ein Paar mutige Generäle  gegen den Aufständischen entschieden vorgegangen wären. Aber Francos Ideen geistern weiter durch Militär und Politik in Spanien. Vermummte (und auch unvermummte) Schlägertrupps wüten unbestraft in Katalonien gegen Menschen und gegen Zeichen der Unabhängigkeitsbewegung und versuchen eine Gewaltreaktion der Katalanen zu provozieren, die dann eine Intervention der Armee rechtfertigen könnte, um „den Unabhängigkeitsspuk endgültig auszurotten“. Die Katalanen denken aber gar nicht daran in diese Falle zu tappen. Die Exzesse dieser Banden werden dokumentiert und zur Anzeige gebracht. Diese Anzeigen werden aber von der spanischen  Justiz (Justiz?…) ignoriert. Und der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Ciudadanos, Rivera, hat noch die Unverfrorenheit zu behaupten -alle dokumentierten Beweise ignorierend-, dass diese Gewaltakte von den Unabhängigkeitsbefürwortern begangen werden.

Man sollte sich vorstellen, was in Deutschland los sein würde, wenn pensionierte Angehörige der Bundeswehr etwas vergleichbares verfassen würden. Etwa, dass seit dem Ende des zweiten Weltkrieges „eine niederträchtige Kampagne zur Diffamierung Hitlers von den Linken und ihren Medien ständig laufen würde, welche die Dienste des Führers für das deutsche Vaterland zu ignorieren und verschmähen versuchte“. Der berechtigte Aufschrei wäre immens und die Reaktion der deutschen Justiz würde schnell wie der Blitz sein.

In Spanien können diese Ewiggestrigen risikolos den faschistischen Diktator verherrlichen und bei Demos oder rechtsextremen Versammlungen beim faschistischen Gruß den Arm hochheben und entsprechende Rufe grölen in der Sicherheit eine breite Komplizenschaft der Politik und Justiz zu genießen.

Das ist der Geist, der in den entscheidenden Gremien dafür sorgt, dass friedliche Leute der Rebellion angeklagt werde; dass die spanische Verfassung mutwillig falsch interpretiert wird und das einen unvorstellbaren Glaubwürdigkeitsverlust der spanischen Justiz verursacht hat, desavouiert von Richtern verschiedener europäischer Länder.

Dieses entlarvende Manifest sollte wirklich von Europa zur Kenntnis genommen werden, um ein für allemal mit der Mär der „tadellosen spanischen Demokratie“ aufzuräumen. Weil seine unglaubliche  Gesinnung immer noch in der Führungseliten Spaniens präsent ist und zu der jetzigen politischen Sackgasse in Katalonien geführt hat. Wie der hoch angesehene Journalist Xevi Xirgo seinen Leitartikel vom 5. August in der Zeitung „El Punt-Avui“ über das Thema betitelte: SIEHT DIR DAS AN, EUROPA!

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