Die große Farce (7)… und der Farbenkrieg

In dem Madrider politischen Schauprozess zeigt es sich immer mehr, dass das Gericht sich nicht beeindrucken  lässt von so nebensächlichen Sachen wie die Wahrheit und die Wirklichkeit, und ihm jedes Mittel -und sei es so skandalös- recht ist, um das Ziel eines exemplarischen Racheurteils gegen die Angeklagten zu erreichen.

Diese Woche sind als Zeugen einige der Zivilgardisten befragt, welche en den brutalen Aktionen in den Stimmlokalen beim Referendum von Oktober 2017 und an dem Eindringen in Gebäuden der katalanischen Institutionen zehn Tage vorher teilnahmen. Um ihre Aussagen zunächst ganz kurz zu beschreiben: genau so wie die befragten spanischen Politiker eine Woche vorher, haben sie massiv gelogen, und zwar so dreist, dass man ihre Fabulierungskunst fast bewundern sollte. Es gibt zwar unzählige Videos (ein paar sogar von der Guardia Civil) die unmissverständlich  beweisen, dass diese Zeugenaussagen klare Meineide sind und die Anwälte der Verteidigung haben wieder beantragt die Zeugen mit den entsprechenden Beweisen konfrontieren zu können. Wieder hat der Gerichtsvorsitzende den Antrag abgelehnt, und somit eine der Grundregel der Prozessordnung in allen demokratischen Länder grob verletzt: dass die Aussage eines Zeugen mit Gegenbeweisen sofort in Frage gestellt werden kann.  Es ist eine Lage die vergleichbar ist mit einem Fußballspiel, in dem der Schiedsrichter stets zu Gunsten derselben Mannschaft pfeift. Hier kann man, wenn man möchte, hunderte von solche Videos sehen: https://spanish-police.github.io/ .  Siehe auch: https://www.heise.de/tp/features/Die-Taktik-ist-sich-hinzusetzen-und-die-Arme-untereinander-unterzuhaken-4346447.html

Trotzdem haben die Anwälte der Verteidigung die Zeugen so in die Ecke gedrängt, dass nach und nach ihre Lügen und Übertreibungen für jeden unparteiischen Beobachter beweisen würden, obwohl das dem Gericht nicht zu interessieren scheint.

Die beschriebenen Horrorszenarien von einem entfesselten Mob, der den Agenten Angst einjagte, passt nicht zu der Tatsache, am Ende von den Zeugen zugegeben, dass die Agenten nicht attackiert wurden und keiner von ihnen verletzt wurde. Von einem scheinbaren „Regen von Flaschen“, die auf die Agenten geflogen haben sollte, wurden am Ende „2 bis 5“ leere Plastikflaschen, welche von ein paar alten Leute geworfen wurden. Die Anwesenheit der damaligen Parlamentspräsidentin Carme Forcadell -eine der Angeklagten- in einer der Aktionen, um die Bürger von einem Auto aus aufzuputschen, an der jetzt einer der Zeugen sich zu erinnern meinte, passt auch nicht zu der beweisbaren Tatsache, dass Fr. Forcadell an den Tag ganz woanders war. Und so weiter und so fort…

Im allgemeinen ist den Spaniern ihre Ehre ungemein wichtig. Um so mehr sollte man sich wundern, dass diese Leute nicht so was einfaches begreifen: wenn Politiker, Richter, Staatsanwälte, Polizisten etc. lügen und falsches Zeugnis legen, entehren sie nicht nur sich selbst, sondern ihren Berufstand und letzten Endes auch ihr Land, das so sehr zu lieben behaupten.

Und jetzt zu einem anderen Szenario. Ein zwar skurriles aber sehr Ernstes, Den spanischen Krieg gegen die Farbe Gelb habe ich schon in einem früheren Artikel vom 28.11.17 beschrieben ( https://peregraurovira.wordpress.com/2017/11/28/die-rebellische-charme-der-farbe-gelb/ ). Die aktuelle Auflage davon hat die spanische Zentrale Wahlkommission in Gange gesetzt. Sie hat verlangt, dass während der Zeit vor den nächsten Wahlen (drei in April und Mai) die Transparente von den offiziellen Gebäuden in Katalonien entfernt werden, welche die Freiheit der politischen Gefangenen verlangen -mit der dazugehörigen gelben Schleife-, vor allen Dingen vom Amt des katalanischen Ministerpräsidenten. Die Wahlkommission betrachtet es als unzulässige Wahlpropaganda, die Katalanen als einen Protest gegen eine schreiende Ungerechtigkeit. Nachdem die Wahlkommission dem Ministerpräsidenten mit einer Geldstrafe und mit einem Verbot  öffentliche Ämter zu bekleiden gedroht hat, wurde das Transparent, dass am Hauptbalkon des Gebäudes hing, durch ein anderes ersetzt: „Meinungs- und  Redefreiheit“ mit einem Hinweis auf den Artikel 19 der Konvention für Menschenrechte der UNO.

Wie der sehr bekannte Politikkritiker Ramon Cotarelo bemerkt hat, sind solche Verbote so dumm wie kontraproduktiv. Einige Rathäuser in der Provinz haben schon andere Transparente gehängt, der ironisch ähnlich klingen, die aber von den Bürgern schon verstanden werden. Der meist bejubelte ist „Freiheit für friedliche Fische“ gewesen, mit einer blauen Schleife. Und wenn die Kommission auch diese verbietet, wird sie sich unsagbar lächerlich machen. Aber Lächerlichkeit scheint die spanischen Behörde so wenig zu kümmern wie die Ehrlosigkeit und die dreiste Verdrehung der Wahrheit.

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