Die große Farce (3)

In diesem schändlichen Prozess gegen zwölf katalanische Politiker und Aktivisten haben die Vernehmungen durch die Staatsanwälte und die Aussagen der befragten Angeklagten zwei Fakten vor aller Welt bewiesen. Der erste: die Argumente der Anklage sind als falsch, als erfundene Fiktionen entlarvt worden. Der zweite:: die Staatsanwälte waren anscheinend in ihre Arroganz so siegessicher, dass sich nicht mal die Mühe gemacht haben, sich richtig und sorgfältig vorzubereiten. Und so haben sie, vor den Kameras und den Vertretern der internationalen Press, erleben müssen, wie ihre Argumente von den Angeklagten zerstückelt wurden.

Das muss aber nicht zu verfrühtem Optimismus verleiten. Die Zulassung von meistens gegnerischen Zeugen und die Ablehnung von vielen, die von der Verteidigung genannt waren, die Ablehnung auch von Beweisdokumenten der Verteidigung etc., und die entschiedene Haltung des Staates hier eine „exemplarische“ Strafe zu verhängen, werden wahrscheinlich zu Urteilen führen, die schon lange als willkürlich, ungerecht und rachsüchtig entlarvt sind. Dass das einzig richtige Urteil ausgesprochen wird, die Freilassung der Angeklagten, glaubt niemand in Katalonien. Und die Folgen kann man heute nicht mal ermessen. Der Druck der Mehrheit der Bevölkerung auf die katalanischen Institutionen wird exponentiell wachsen und man wird unmöglich zu „business as usual“ zurückkommen können.

Die Proteste in diesen Tagen mit Demos und Streiks in ganz Katalonien sind nur ein Vorspiel. Unter anderem wird für den 26. März eine große Demonstration in Madrid vorbereitet. Da werden Katalanen und spanische Republikaner zusammen gegen diesen Skandalprozess protestieren. Aber nicht die Demos werden das wichtigste sein, sondern eine mögliche, sogar wahrscheinliche, Beschleunigung der Trennung Kataloniens von Spanien. Ob das zu neuer Gewalt und Repression seitens der Madrider Machthaber führen wird oder -endlich- zu einem unaufhaltsamen Druck des Auslands, dass Schlimmeres verhindert und eine friedliche, demokratische Lösung möglich macht, ist hier und heute ungewiss. Gewiss ist nur eines: diese ganze Kette der Ereignisse von Ende 2017 bis heute hat dazu gebracht, dass Katalonien für Spanien schon verloren ist, und dass die Mehrheit der Bevölkerung Kataloniens sich nicht wieder mit leeren Versprechungen und mit durchgekauten Krümeln abspeisen lassen wird. Eben weil es nicht nur um die Unabhängigkeit geht, sondern um die Verletzung vieler elementaren Grundrechte durch den spanischen Ultranationalismus so vieler Politiker, Richter und Staatsanwälte.

Viele weitere Einzelheiten über diese Tage können Sie hier lesen:

https://www.heise.de/tp/features/Generalstreik-gegenspanischen-Prozess-gegen-Katalonien-4315732.html

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