Um die Zeit der Sonnenwende

In diesen Tagen, vor und nach dem längsten Tag des Jahres ist in Katalonien verschiedenes geschehen, dass ich für die treue und wachsende Leserschaft dieses Blogs von Interesse erachte.

Als erstes laufen in Tarragona die „Mittelmeerspiele“, eine Art Leichtathletik Mini-Olympiade für die Anrainer des Mittelmeeres. Nach der spanischen Zwangsintervention in Katalonien wurden die katalanischen Behörden von der Organisation der Spiele ausgeschlossen. Die damit beauftragten spanischen Beamten  wollten, sowohl bei der Eröffnungsfeier wie später bei den Wettbewerben, die zu erwartenden Protestbekundungen gegen den spanischen König vermeiden, und haben dafür zweierlei getan. Einerseits haben sie eine Menge kostenlosen Eintrittskarten an spanische Vereine in Katalonien und an rechtsextreme Organisationen wie die sogenannte „Katalanische Zivilgesellschaft“ (SCC) verteilt. Andererseits haben sie der katalanischen Regierung und den katalanischen Sportvereinen mitgeteilt, dass ihnen leider keine Karten mehr zur Verfügung stellen konnten, weil alles schon ausverkauft war. Die Wahrheit wurde  schon am ersten Tag offenbar. Am Eröffnungstag war das Stadion halbleer, und die anderen Tage sind noch schlimmer geworden, so dass die Organisatoren massenweise wieder kostenlose Karten verteilt haben. Trotzdem bleibt das Stadion halbleer und der Protest der Katalanen wurde einfach auf die Straße vor dem Stadion verlegt, sodass als Endergebnis die Spiele, die ein großes Ereignis für die Stadt werden sollten, ein großes Fiasko geworden sind.

In diesen Tagen hat auch der neue katalanische Ministerpräsident Torra mehr als einmal klargestellt wofür er steht. Da der spanische König seine feindselige rede gegen die Katalanen am 3. Oktober 2017 (die viele Spanier gegen Katalonien noch weiter aufgeputscht hat) nicht korrigiert hat, werde jetzt der König zu keinem Fest oder Veranstaltung, die von der Generalitat von Katalonien organisiert wird, eingeladen werden, und die katalanischen Regierung und Behörden werden an keinem Akt, der von der spanischen König veranstaltet wird teilnehmen. Dann, vor wenigen Tagen und während eines kurzen Aufenthalts in Washington, hat er bekräftigt, dass die katalanische Regierung weiter unbeirrt für die Verwirklichung der katalanischen Republik arbeiten wird. Damit hat er klargestellt, dass jedwedes Gespräch mit der spanischen Regierung auch die Selbstbestimmung Kataloniens einschließen soll, was die Spanier weiter verweigern. Solche Gespräche wären sowieso nur Sondierungen um die Möglichkeiten der Verhandlungen (oder der Mangel an ihnen) auszuloten. Wirkliche Verhandlungen werden aber nur möglich sein, wenn die politischen Gefangenen wieder frei sind, und die Exilierten wieder frei zu Hause sein können. Vorher ist für die Katalanen jede verbindliche Verhandlung undenkbar.

Und jetzt zu der Sonnenwende. In der Mitsommernacht (In Katalonien, die Johannisnacht) werden überall (wie auch in anderen Länder Europas, aus einer uralten Tradition) auf den Feldern und Ortsplätzen Feuer entzündet. Seit mehr als 50 Jahren werden viele dieser Feuer mit einer von dem Berg Canigó stammenden Flamme entzündet. Um den Canigó (franz.: Canigou), in dem französischen teil Kataloniens, wurden in der karolingischen Zeit die ersten Markgrafschaften, welche  den Ursprung des späteren Kataloniens bildeten, gegründet und der Berg ist für die Katalanen seit langem eine Art nationales Symbol geworden.

In diesem Jahr wurden auch jeweils eine von dieser Canigó Flammen (in der Form von angezündeten Petroleumlampen) nach Deutschland, Belgien, die Schweiz und Schottland zu den exilierten katalanischen Politikern gebracht. In Deutschland bekam Präsident Puigdemont die symbolische Flamme in Hamburg, am Elbstrand, wo der Katalanenverein in der Hansestadt die Sonnenwendfeier organisiert hat.

Das sind alles Zeichen, dass der Konflikt weiter alles andere als leicht zu lösen sein wird, und mit Repression und Bestrafungen ohne Ende, noch weniger.

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