Antwort an einen geschätzten Leser und einige lesenswerte Zitate

Einer der Leser dieses Blogs, Herr D. (und ich schätze wirklich alle) ist der Meinung, dass ich mit meinen Artikeln falsch liege. Da eine kurze Antwort auf seine Kommentare mir unangebracht erschien tue ich es hier, obwohl ich nicht hoffe, dass dies ihm zu einem Umdenken veranlassen wird.

Herr D. meint, dass „seitens der Separatisten ein massiver Druck aufgebaut wurde“ gegen diejenigen, die nicht für die Separation waren, und dass „alles Mögliche getan wurde um Stimmabgaben für Spanien zu verhindern“. Mein Alter und meine Gesundheit haben mit nicht erlaubt am 1.10.17 in Katalonien zu sein. Was ich davon weiß habe ich von der Presse entnommen (katalanische, spanische, deutsche, etc.) und von meinen Freunden und Verwandten erfahren. Vor dem Referendum, dass die spanische Regierung auf jeden Fall verhindern wollte, wurde (ohne Erfolg) von der spanischen Seite Druck, in ganz massiven Form, geübt, und am 1.10. konnte jeder sehen was geschah. Das man Stimmabgaben für Spanien verhindern wollte ist gelinde gesagt absurd. Für die Katalanen war eminent wichtig, dass so viele Bürger wie möglich an der Volksbefragung teilnahmen, und die Wähler wurden überall mit Applaus empfangen, weil sie (ganz egal wofür sie stimmten) sich nicht von der spanischen Nötigung einschüchtern ließen. Ich war und bin der Meinung, dass viel mehr Gegner der Unabhängigkeit ihre stimme abgegeben hätten, wenn die wilden Attacken der spanischen Polizei nicht erfolgt wären.

Dass die Kundgebungen für das Referendum viel größer waren als jene, die dagegen demonstrierten, kann ich keineswegs als „Druck“ ansehen, sondern nur als ein Beweis für die verschiedene Überzeugungskraft der zwei Grundhaltungen in Katalonien.

Ich hatte Herrn D. erläutert, dass in einem unabhängigen Katalonien niemand auf seine/ihre Staatsangehörigkeit verzichten müsste, sondern jedermann die katalanische dazu nehmen könnte (oder auch nicht, wie gewünscht). Nur, erklärte ich, wer die katalanische  Staatsangehörigkeit nicht wünschte und nicht annimmt, würde (wie es überall in der Welt normal ist) kein Stimmrecht bei den Wahlen zum katalanischen Parlament haben. Das findet Herr D. nicht richtig. Er meint, wenn jemand sein Leben lang in Katalonien wählen konnte, und es jetzt nicht mehr kann, weil er nicht Katalane werden will, sei das eine eigenwillige Auffassung der Demokratie, viel mehr eine „Minderheiten Diktatur“. Lieber Herr D.. Ausländer, ganz egal wie lange sie in Deutschland sind, können nicht an den Bundestags- und Landtagswahlen teilnehmen, sondern nur an den Gemeindewahlen. Und in allen Ländern der EU ist auch so. Warum sollte das in einer katalanische Republik anders sein? Streitiger wäre es, wenn man um, die katalanische Staatsangehörigkeit zu bekommen auf seine frühere Staatsangehörigkeit verzichten müsste. Das aber ist nicht vorgesehen. Demzufolge ist es eine persönliche Entscheidung  jedes Bürgers ob man diesen bürokratischen Schritt tut oder nicht, es ist keine „diktatorische Maßnahme.

Und letztens, Herr D. scheint die abenteuerliche These geglaubt zu haben, dass Präsident Puigdemont sich absichtlich von der deutschen Polizei verhaften lassen hat, um sich als Märtyrer inszenieren zu können.. Diese These, die manche Journalisten vertreten haben, verkennt aber, dass die Risiken eines solchen Manövers die mögliche Nützlichkeit übertrafen. Problemlos zurück in Belgien hätte Puigdemont schon weiter sein können, was die Verwirklichung von katalanischen Strukturen im Exil betrifft. Dass die deutsche Episode ihm weitere internationale Popularität gebracht hat, ist niemand anderem zu verdanken als dem spanischen Richter Llarena.

Und dieser Richter, genau wie alle anderen willigen Werkzeuge des spanischen Ultranationalismus sind Kreaturen einer schon alten Denkweise, die Spanien als den Heiligen Gral sieht, und Katalonien als ein erobertes Territorium, das nur etwas zu sagen hat, wenn nicht den Heiligen Gral in Frage stellt. Hier einige lesenswerte Muster dieser alten und neuen antikatalanischen Äußerungen:

Das in den Schulen kein Buch in katalanische Sprache erlaubt wird, auch nicht in dieser Sprache schreiben oder reden in den Schulen, und das die christliche Doktrin auf spanisch gelernt wird. (Felipe V. König von Spanien. 1715)

Man soll Katalonien füllen mit den schlimmsten Leuten die Spanien hat. (General Martínez Anido, Gouverneur Kataloniens an den Diktator Primo de Rivera. 1923)

Wenn eine Mehrheit der Katalanen hartnäckig daran bestehen der Weg Spaniens zu verhindern, wird man über die Möglichkeit nachdenken müssen, dieses Territorium in eine Kolonie zu verwandeln und dort die Armeen aus Nordafrika zu schicken. Alles, nur nicht…das andere. (Ramiro Ledesma, einer der Führer der spanischen Rechtsextreme. 1931)

Aber eine Warnung. Schluss mit diesem betragen, Schluss mit diesem verrat, weil wir vorziehen werden dieses Land pulverisiert zu sehen, als zu erlauben, dass es wieder sich gegen das heilige Schicksal Spaniens stellt. (José Antonio Giménez Arnau, faschistischer Schriftsteller. 1938)

Wir werden Madrid in eine  paradiesischen Garten verwandeln, Bilbao in eine große Fabrik, und Barcelona in ein leeres Grundstück . (General Queipo de Llano, eine der aufständischen Franco-Generäle. 1936)

Glauben Sie, dass wir den krieg gemacht haben um jetzt den öffentlichen gebrauch des Katalanischen zu erlauben?  (General Acedo Colunga, Zivilgouverneur in Barcelona. 1952)

Katalonien wurde von Felipe V. besiegt und besetzt, es wurde von General Espartero bombardiert und von uns 1939 besetzt. Und wie sind bereit es so oft zu besetzen wie nötig und dafür bin ich bereit jederzeit das Gewehr zu greifen.  Manuel Fraga Iribarne, Francos Minister, und Gründer der jetzigen Volkspartei von Ministerpräsident Rajoy. 1968)

Alle Katalanen sind Scheiße. (Luís de Galinsoga. Direktor der Zeitung „La Vanguardia“ aus Barcelona. 1960)

Die Katalanen sind nur wichtig, wenn sie Spanisch sprechen. (José Prat, sozialistischer Politiker. 1980)

Man muss die Migration von spanischsprechenden Menschen nach Katalonien und Balearen fördern um so die spanischen Gefühle, die damit verbunden sind zu bewahren. (Leopoldo Calvo Sotelo, spanischer Minister. 1983)

Der Terrorismus in Baskenland ist eine Frage der öffentlichen Ordnung. Aber das wirkliche Problem ist die Verschiedenheit Kataloniens. (Felipe Gonzàlez. Sozialistischer Ministerpräsident Spaniens. 1984)

Wir respektieren absolut die Katalanen. Was unannehmbar ist, ist es, dass sie Neuwahlen benutzen um zu wählen was ihnen in den Kram passt. (Soraya Sáenz de Santamaria, Vizepräsidentin der spanischen Regierung. 2018, vor wenigen Tagen)

Das ist die Grundströmung, die am Ende den Drang der Katalanen zur Unabhängigkeit zur Ausbruch gebracht hat.

 

 

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