Irritationen und Missverständnisse

Die Ausrufung der katalanische Unabhängigkeit, gestern durch Präsident Puigdemont und ihre zeitweilige Aussetzung um Platz und Zeit für eine internationale Vermittlung zu gewinnen hat gleichzeitig für Irritationen und, noch mehr, für Missverständnisse gesorgt.

Irritationen hat es hervorgerufen sowohl bei vielen Katalanen, die einen Schritt ohne Wenn und Aber erwartet hatten, wie auch bei  der spanischen Regierung, die damit auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Ich teile vollkommen die Meinung von vielen Journalisten und anderen Beobachtern des Konfliktes, dass dieser Schritt ein sehr klugen Schachzug der katalanischen Regierung war, welche damit den schwarzen Peter an die spanische Regierung weitergereicht hat.

Aber was mich sehr wundert sind die Missverständnisse, die nur durch eine sehr ungenaue Lektüre der Erklärung Puigdemonts entstehen können. Bei vielen deutschen Medien heißt es jetzt, dass Puigdemont die Ausrufung der Unabhängigkeit vertagt hat und sich damit vielleicht ein Hintertürchen offen hält um darauf verzichten zu können. Das stimmt vorne und hinten nicht.

Puigdemont hat die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt. Und ein entsprechendes Dokument ist von allen Abgeordneten der parlamentarischer Mehrheit im katalanischen Parlament feierlich unterschrieben worden. Das ist endgültig und ohne erfundenes Hintertürchen. Die vorläufige Aussetzung ist auf höchstens vier Wochen gesetzt, was Zeit gibt um festzustellen wie ernst die Vermittlungsangebote sind. Das Ganze zeigt vollkommen klar, dass das einzige Thema einer Vermittlung die Modalitäten der Trennung sein können. Das kann vielleicht sogar ein Angebot beinhalten, dass Katalonien für eine begrenzte Zeit (ich würde sagen, maximal 5 Jahren) Spanien mit einen kleinen Prozentsatz seines BIPs hilft, die finanziellen Folgen der Trennung zu mildern.

Es sollte aber jedermann bewusst sein, das weitere Gewaltmaßnahmen von Seiten Spaniens diese Pause sofort beenden würden. Sie soll auf beiden Seiten befolgt werden. Ansonsten kann dann die katalanische Regierung das Trennungsgesetz vollkommen in Kraft setzen und niemand wird ihr dafür ein Vorwurf machen können.

Es würde mich sehr wundern, wenn die spanische Regierung sich darauf einlassen würde. Dann ist es aber ihr Problem, nicht das der Katalanen, da sie Madrid die Chance angeboten haben, welche die Europäer verlangt hatten. Das ist meinerseits eine erste, schnelle, und unvollständige Reaktion auf diesen historischen Tag. Die weitere Entwicklung wird bestimmt Anlass für mehr Artikel in diesem Blog geben.

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Präsident Kataloniens Carles Puigdemont

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