Die große Lüge

Im vorherigen Artikel sprach ich von der Möglichkeit provozierender Gewaltakte, die den Anhängern der Unabhängigkeit demnächst angelastet werden könnten, um sie international zu diskreditieren. Es scheint so, dass diese Diskreditierung schon vorher mit dreisten Lügen versucht werden soll.

Zum Beispiel so: der spanische Journalist Inda, bekannt für seine rabiate Einstellung gegen Katalonien, hat in einer fernsehrunde behauptet, dass die Lage in Katalonien noch schlimmer sei als zu Zeiten der ETA-Morde die  Lage in Baskenland. Ein ehemaliger Minister der Regierung Aznar, der pro-spanische Katalane Piqué, setzte -ohne rot zu werden – die Unabhängigkeitsbewegung mit dem Faschismus gleich. Die Oberstaatsanwältin Magaldi, die nach dem Prozess am 10. Februar auf der Straße von einem jungen Mann beschimpft  worden war, hat den unangenehmen aber harmlosen Vorfall öffentlich so aufgebauscht, als wäre sie von einem wütenden Mob fast gelyncht worden, wofür sie harsche Kritik von allen Seiten bekommen hat.

Ana Magaldi

Ana Maria Magaldi

Das Muster lässt sich schon erahnen. Es soll im Rest Spanien wie im Ausland das Bild eines Kataloniens entstehen, wo Andersdenkende verfolgt und diskriminiert werden und fast um ihre physische Unversehrtheit fürchten müssen. Der Kontrast mit der Wirklichkeit, die ein jeder beobachten kann, der in Katalonien lebt oder das Land besucht, ist so krass, dass man nur mit dem Kopf schütteln könnte, wenn dahinter nicht so ein ausgefeimter Plan stünde, um das spanische Volk noch weiter gegen die Katalanen aufzuheizen und jede ausländische Sympathie für die Katalanen in Keim zu ersticken. Die Wirkung in Spanien (wo wahrhaftige Information über Katalonien vollständig fehlt) wird leider nicht ausbleiben. Was das Ausland betrifft, wird der Erfolg hoffentlich denkbar gering bleiben, da die Konsulate eine wichtige Informationsquelle für die jeweiligen Regierungen darstellen und über die katalanische Wirklichkeit hervorragend informiert sind.

Das falsche Bild, auf unsägliche Lügen aufgebaut, soll zunächst ein Klima von Angst und Unsicherheit und später die mögliche Anwendung von Gewalt seitens der spanischen Regierung rechtfertigen.

Die katalanischen Institutionen und die Bürgerbewegungen rufen deshalb die Bürger wiederholt auf nicht auf Provokationen zu reagieren und Ruhe zu bewahren. So ist in Katalonien ein altes britisches Motto aus dem Zweiten Weltkrieg sehr populär geworden: „Keep calm and carry on“. Man kann es nicht oft genug wiederholen: in Katalonien wird die Auseinandersetzung mit politisch Andersdenkenden auf demokratische Art und Weise geführt. Sie werden als Gegner aber nicht als Feinde betrachtet, standhaft, aber ohne Hass. Umgekehrt ist es leider ganz anders. Und das wird in den nächsten Monaten vermutlich leider sämtliche Grenzen des Anstands überschreiten.

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