Würdige Worte in einem unwürdigen Prozess (III)

Ich hoffe auf das Verständnis meiner Leser, wenn ich heute dem willkürlichen Prozess gegen die katalanischen Politiker in Barcelona (nach „Es geht um Demokratie (I)“ und „Was man noch wissen sollte (II)“) noch einen Artikel widme. Doch ich glaube, dass es wichtig ist, hier auch die Angeklagten zu Wort kommen zu lassen, sodass der Leser sich eine Meinung über die Persönlichkeit der Angeklagten bilden kann. Deswegen möchte ich hier einige Zitate ihrer Reden, die sie als Schlusswort vor der Verkündung des Urteils, das in den nächsten Tagen erwartet wird, hielten, wiedergeben.

Der ehemalige Ministerpräsident Artur Mas, sagte, unter anderem:

…Ich glaube, dass wir nicht wegen der Missachtung irgendeines Gerichtes hier sind, sondern weil der 9. November ein Erfolg war. Ein solcher Erfolg missfiel dem spanischen Staat, und er wertete ihn als eine Kampfansage. Wir sind jetzt hier, weil sie wollen, dass jemand für eine solche Kampfansage bezahlen soll…

…Wie viele Prozesse wie diesen würde es bereits geben, wenn alle Fälle von Missachtung des Gerichts verhandelt würden? Was würde mit all jenen Gesetzen passieren, die seitens der spanischen Regierung missachtet werden? (Bis heute hat die spanische Regierung 34 Verfügungen des spanischen Verfassungsgericht und des Oberster Gerichtshof ignoriert).

…Ich habe bereits ausgesagt, dass ich der alleinige politisch Verantwortliche für den 9. November bin. Alleinig heißt nicht , dass nur ich allein alles getan habe. Am Tag ihrer Ernennung  versichern die Landes Minister dem Ministerpräsidenten ihre Loyalität. Joana Ortega, Irene Rigau und Francesc Homs haben diese dem Ministerpräsidenten versichert. Alle Instruktionen und Entscheidungen zu und über den 9. November kamen aus dem Amt des Ministerpräsidenten…

…Ich bin keines Vergehens schuldig. Weder ich noch einer der anderen Angeklagten (…) Am 4. November (der Tag, an dem die Nachricht des Verfassungsgerichts ankam) war alles bereits in den Händen der freiwilligen, und ich würde gerne wissen, wie man es sich beim Verfassungsgericht vorstellt, dass wir den Freiwilligen Befehle hätten erteilen können ihr Tun sofort einzustellen (…) Da waren eine Menge Leute dabei, die keinerlei Befehle anerkannt hätten. Sie hätten nicht gewollt sich kommandieren zu lassen. Es ging uns nicht darum irgendein Gericht zu missachten. Wir wollten unser Gesicht nicht verstecken vor einer Regierung, die verhindern wollte, dass die Bürger ihrer Meinung Ausdruck verleihen. Haben Sie schon vergessen, dass ich bereits gesagt hätte, dass dieser Abstimmung nicht bindend gewesen wäre? Das eine Regierung sich gegen eine andere stellt, kann einem gefallen oder nicht. Ein Vergehen ist es nicht…

der 9. November war ein Tag, auf den wir stolz sein sollten. Es kamen da vieler jener Tugenden zusammen, auf die ein Land stolz sein kann. Friedliebende und demokratische Gesinnung und die aktive Beteiligung der Bürger (…) Wenn es darum geht, die Demokratie zu stärken, dann verstehe ich nicht, wie der 9. November als ein strafbares Vergehen betrachtet werden kann.

Artur Mas

Artur Mas

Die ehemalige Vizepräsidentin der Regierung, Joana Ortega, sagte:

…Mir wird der Prozess gemacht wegen politischer Betätigung einer gewählten Regierung, die einem demokratischen Mandat Folge leistete (…) Wenn ein Volk einen so großen Drang zur Freiheit verspürt, kann keiner es stoppen (…) Hält es jemand für denkbar, dass ein juristisches Urteil die letzte Antwort auf die politischen Forderungen Kataloniens sein kann?

Sie zitierte den ehemaligen portugiesischen Präsidenten Mario Soares, der ihr mal gesagt hatte: „Am Ende wird Katalonien sein, was die Katalanen wollen, das es wird“. Und weiter:

…In meiner gesamten politischen Laufbahn war der 9. November der Tag, an dem ich meinen Auftrag für und im Sinne des Volkes zu handeln am nächsten kommen konnte. Ich bin mir nicht bewusst irgendein Vergehen begangen zu haben.

Die ehemalige Erziehungsministerin, Irene Rigau, sagte:

…der große spanische Dichter Antonio Machado hat diese Verse geschrieben; „Um miteinander zu reden, fragt erst, und dann hört zu“. Anscheinend ignoriert Spanien diese Worte (…) Die repräsentative Demokratie muss gestärkt werden (…) Die Diktatur Francos hat es nicht geschafft mich aus dem öffentlichen leben zu verbannen. Und nun soll dies der Demokratie am Ende meiner Laufbahn gelingen?…

Ich glaube, diese Sätze sagen genug aus, über diese drei Katalanen. Es gibt nichts hinzuzufügen.

P.S. Und doch das wäre noch vielleicht hinzuzufügen: am 7.2., ein Tag nach dem Prozess, hat die Liberale Internationale (die mehr als 100 Parteien in den ganzen Welt vertritt) durch ihr Sekretär Emil Kirjas  ihre Solidarität mit Artur Mas zur Ausdruck gebracht. Kirjas sagte unter anderem:  „Die Liberale Internationale bittet der spanischen Regierung der Wille des katalanischen Volkes zu respektieren einschließlich Autonomie und Unabhängigkeit. […]  Wann eine Regierung der Kontakt mit der Wirklichkeit verliert, verliert sie am Ende auch die Kontrolle des Territoriums. Es ist offenbar das Mas aus dieser Farce, aus diesem Theater noch verstärkt herauskommen wird. Er verdient jede Unterstützung“.

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