Meinungen eines prominenten Katalaners

In dem angesehenen katalanischen Nachrichtenportal Vilaweb ist vor kurzem ein Interview mit dem Gelehrten Salvador Cardús erschienen. Cardús (*1954) ist Soziologe, Publizist (in katalanischen, französischen und britischen Medien), sehr aktiv in einer ganzen Reihe von kulturellen Institutionen des Landes, und definiert sich selbst als „Linksliberaler“. Für mich ist Salvador Cardús einer der hellsten Köpfen des Landes und ein Mann, den man sich ohne Schwierigkeiten als hervorragender Präsidenten unseres Landes vorstellen könnte. In dem genannten Interview hat Cardús einiges gesagt das für meine Leser vielleicht sehr hilfreich sein kann, um manches zu verstehen, was zur Zeit in Katalonien geschieht. Das Wichtigste ist vielleicht in den folgenden Sätzen von ihm enthalten:

„Ich glaube an die Unabhängigkeit als eine Frage von politischer und nationaler Würde. Ich bin kein Taliban der Unabhängigkeit. Wenn wir eine andere Formel gefunden hätten, welche die politische Würde Kataloniens in einem konföderalen Rahmen respektieren würde, wäre ich damit einverstanden gewesen. Aber wir wissen allzu gut, dass die politische und soziale Würde nicht respektiert wird. In diesem Sinne versuche ich die, die noch Zweifel haben, zu überzeugen. Es ist keine Frage von Flaggen, sondern des Regierens, von einem gerechten und freien Land mit sozialer  Gerechtigkeit. Es ist nichts ethnisches sondern von striktem politischen Charakter.

Wenn er meint „kein Taliban der Unabhängigkeit“ zu sein, beschreibt er damit auch die Einstellung der meisten Katalanen, die sich jetzt von Spanien trennen möchten. Es ist (wie ich auch mehrmals beschrieben habe) keine „ethnische“ oder „völkische“ Abneigung gegen des Volk Spaniens, sondern man hat schlicht und einfach die Nase voll von der Katalonienpolitik aller spanischen Regierungen, und kann nicht mehr auf irgendwelche Änderung hoffen.

Noch über ein anderes Thema hat Cardús etwas richtiggestellt. Sowohl von den Pessimisten (wie es überall in der Welt gibt) wie auch von den Gegnern der Unabhängigkeit wird oft unterstellt, dass der Unabhängigkeitsbewegung die Luft ausgeht, dass die Leute müde und „ausgeblasen“ werden und dass am Ende nur eine Minderheit noch diesem Traum treu bleiben werde. Und Cardús sagt:

„Nein. Die Menschen sind nicht müde sondern ungeduldig. Man darf nicht die Ungeduld mit der Müdigkeit verwechseln. Vor der Bescherung sind die Kinder ungeduldig aber keineswegs müde. Es mag sein das mancher leitende Politiker müde ist, aber nicht die Bürger“.

Und gefragt was getan werden sollte, um für die Unabhängigkeit eine klare Mehrheit zu erreichen, meint er, dass in einem klaren Referendum mit nur zwei möglichen Antworten, Ja oder Nein, das Ja klar gewinnen würde. Dafür aber, sagt er, sollte man erreichen, dass nicht (wie in Schottland) manche Unabhängigkeitsbefürworter wegen mangelnden Vertrauens nicht wagen das „ja“ anzukreuzen. „Viele von denen. die in den Umfragen sich die Unabhängigkeit wünschen, glauben nicht, dass wir sie erreichen werden. Dieses Vertrauen gilt es zu festigen“.

Für dieses Vertrauen wird jetzt vieles durch leise und solide Arbeit der jetzigen Regierung getan, um die Unabhängigkeit auf festen Grund errichten zu können. Und last but not least wird die leider unversöhnliche Haltung der Madrider Politik weiter sehr verlässlich noch mehr Katalanen von der Alternativlosigkeit der Unabhängigkeit überzeugen.

Salvador Cardus

Salvador Cardus

 

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