Der Lohn der Angst

Die meisten Leser meiner Texte haben bestimmt irgendwann der berühmten Film mit diesem Titel gesehen. Wenn ich ihn jetzt hier anwende, hat es sicher nichts zu tun mit irgendeiner Fiktion im Kino, sondern (wie könnte es anders sein) mit der Lage in Rajoyistan, besser bekannt als Königreich Spanien. Der Film endet tragisch mit dem Tod aller, welche diesen Lohn hätten bekommen sollen. In Spanien wird höchstwahrscheinlich der jetzige Konflikt mit Katalonien mit dem Misserfolg von denen enden, die sich als Lohn von der Angst der Bevölkerung die Beibehaltung des jetzigen Status quo erhoffen.

Meine Leser werden vielleicht sich verwundert fragen: Angst? Wieso Angst und wovor? Die Angst in vielfältiger Form ist eine unterschwellige Konstante in der modernen Geschichte Spaniens und ist keineswegs mit der Ankunft der jetzigen bedingten Demokratie verschwunden. In den weiten ländlichen Spanien, von dem nördlichen Galizien bis zum südlichen Andalusien besteht wie eh und je die Angst, dass die Nachfahren der damaligen Verteidiger der Republik vor der Repressalien der mächtigen Nachfahren der Franco-Anhänger haben (die nach wie vor vielerorts das Sagen haben). Wenn die mutigen Leute, die heute versuchen noch unbekannte Massengräber aus der zeit des Bürgerkrieges zu finden, die Bewohner der umliegenden Ortschaften befragen, ist es oft so, dass sie entweder keine Antwort bekommen, oder wenn doch mit der Bitte ihren Namen zu verschweigen, da sie immer noch die Rache der Mächtigen fürchten.

Was Katalonien betrifft, wenn die Angst nicht wäre, eine aus trauriger geschichtlicher Erfahrung gewachsenen Angst, wären die Befürworter der Unabhängigkeit noch zahlreicher. Es wird der Unabhängigkeitsbewegung vorgeworfen, dass sie immer noch unter der Schwelle der 50 % der Bevölkerung bleibt. Das ist zwar nicht ganz richtig, da die letzten Umfragen schon anders lauten. Aber man kann es auch anders sehen: es ist nicht so, dass die Anhänger der Trennung von Spanien weniger als 50 % seien, sondern -bis vor kurzem- sind es nur jene, welche die Angst vor einer rabiaten Reaktion Spaniens schon überwunden haben.

Viele, die immer noch und gegen besseres Wissen, von einer föderalen oder konföderalen Lösung träumen, tun es aus der immer noch lebenden Furcht, dass Spanien wieder Gewalt in irgendeiner Form gegen sie anwendet, obwohl das ein Bruch der Normen der Europäische Union wäre. Jene welche die Angst schon verloren haben, gehen davon aus, dass ein Spanien, welches finanziell und wirtschaftlich so abhängig von der EU ist, die Anwendung von Gewalt nicht wagen kann.

Die Frage, ob die Befürworter der Unabhängigkeit mehr als 50 % der Bevölkerung sind oder nicht, kann vernünftigerweise nur endgültig beantwortet werden, wenn man ein gesichertes Referendum erlaubt. Das heißt ein Referendum mit internationalen Beobachtern und mit der Garantie, dass das Ergebnis sowohl von Spanien wie von Katalonien akzeptiert und respektiert wird. Ein solches Referendum würde die Angst beseitigen, und den Menschen die Äußerung ihrer wirklichen Wünsche erlauben. Wenn Spanien so sicher ist, dass die Mehrheit der Katalanen die Unabhängigkeit nicht möchte, warum erlaubt es denn nicht so eine Volksbefragung? Warum muss es die Angst ständig mit falschen Argumenten, ja mit direkten Lügen schüren? Diesmal wird aber die Angst ihrer Verursacher keinen Lohn bringen. Das wird die nächste Zeit beweisen.

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