Die verlogenen Argumente der Verzweiflung

Die spanische Regierung scheint immer verzweifelter zu werden. Sie sieht in Katalonien ihre Felle wegschwimmen und weiß nicht mehr ein noch aus. Das Argument der Gewalt -das altbewährte spanische Mittel- kann sie im heutigen Europa nicht mehr anwenden. Mit Ihren Gerichten viele katalanische Gesetze zu verbieten, macht die Lage für sie in Wirklichkeit noch schlimmer. Und die wachsende Internationalisierung des Problems, die sie nicht mehr verhindern kann, raubt den spanischen Politikern den letzten Schlaf.

Ende Mai schickte die spanische Regierung zwei Sonderbotschafterinnen -Maria Bassols und Cristina Ysasi-  auf die Reise, um die katalanische Unabhängigkeitsbewegung zu diskreditieren (bis jetzt waren sie in Brüssel, Wien, Bern, London und New York). Dafür benutzen sie zwei Hauptargumente, die nicht verlogener sein könnten. Erstens, dass in einem unabhängigen Katalonien die spanischsprechenden Bürger total diskriminiert werden würden, und als Beweis dafür erwähnen sie, dass schon jetzt in den Schulen nur auf katalanisch gelehrt wird. Als zweites Argument behaupten sie, dass alles nur ein Versuch vieler katalanischen Politiker ist, um eine gerichtliche Verfolgung wegen Korruption zu verhindern.

Beide Argumente sind so lächerlich, dass man darüber nur den Kopf schütteln könnte. Leider werden sie im Ausland von vielen uninformierten Leuten geglaubt. Hier kann ich nur ganz kurz skizzieren, was von diesen „Argumenten“ zu halten ist.

Zum ersten: Nach der langen Unterdrückung unserer Sprache, hat sich die katalanische Regierung zum Ziel gesetzt, dass alle Schüler in Katalonien das Katalanische beherrschen. Das Katalanische ist Unterrichtssprache und diese Maßnahme hat schon jetzt zu einer besseren menschlichen Verständigung zwischen beiden Bevölkerungsgruppen geführt. Das Spanische wird aber keineswegs vernachlässigt. Unterrichtsziel ist es, dass nach Schulabgang alle Schüler Katalanisch, Spanisch und Englisch gleich gut beherrschen. Tatsache ist, dass (laut Studien des spanischen Bildungsministeriums) der Notendurchschnitt in Spanisch der katalanischen Schüler besser ist als der von den Schülern im übrigen Spanien. Dazu kommt, dass in den Plänen für die Zeit nach der Unabhängigkeit darüber Konsens herrscht, dass alle älteren spanischsprechenden Bürger, die in der Schule kein katalanisch gelernt haben, sich bei allen Behördengänge problemlos Spanisch werden benützen können. Diskriminierung liegt uns Katalanen fern, dafür sind wir selber zu lange diskriminiert worden. Also bei uns ist Katalanisch Unterrichtssprache, wie in Antwerpen Flämisch, in Genf Französisch oder in Lugano Italienisch. Das verhindert nicht, dass die Schüler die anderen Landessprachen des jeweiligen Landes auch lernen. Ist das so schwer zu verstehen? (Darüber mehr im nächsten Artikel).

Zum zweiten Argument: die Korruption. Erstens, die Korruptionsfälle in den katalanischen Parteien und allgemein in Katalonien bedeuten in etwa nur weniger als 7 % der Fälle in ganz Spanien. Zweitens, die bekannten Fälle in der Politik werden gnadenlos verfolgt und die Betroffenen sind aller Parteiposten verlustig geworden. In den spanischen Parteien sind aber immer noch Korruptionsverdächtige in Amt und Würden, und ihre Zahl wächst immer noch unaufhörlich. Drittens, bei dem Trend zur Unabhängigkeit sind (im großen und ganzen) die Politiker nicht die Treibender sondern die Getriebene gewesen. Der Druck ist von unten nach oben gekommen und nicht umgekehrt. Das ist eine Tatsache, die hartnäckig von der spanischen Politik verneint oder ignoriert wird, weil es ihr nicht in ihre Rechnung passt. Das ist es aber was die Bewegung unumkehrbar macht, und auch der Hauptgrund für die Weigerung Madrids ein Referendum wie in Schottland zu gestatten, das (dann ohne Angst von Gewalt und Repressalien) eine klare Mehrheit für die Unabhängigkeit bringen würde. Alles andere, wie die „Märchenstunden“ der zwei spanischen Diplomatinnen sind nur eine grobe Verdrehung der Wirklichkeit.

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