Katalonien und die deutsche Presse (und III)

Die dritte von mir genannte falsche Behauptung von manchen Journalisten (wobei Leo Wieland von der FAZ, Anwärter auf die Goldmedaille ist) war, dass der ruf nach Unabhängigkeit von machthungrigen Provinzpolitikern aufgestachelt und aufgebauscht worden war (wobei besonders der frühere katalanischer Regierungschef Mas gemeint war), und mit dem Abtreten dieser Leute auch der ganze Spuk wie ein Kartenhaus zusammenbrechen würde. Dass viermal dieser „Spuk“ zwischen 1,5 und 2 Millionen Katalanen auf die Straße gebracht hatte, wurde oft mit lächerlichen Argumenten geringgeschätzt. Jetzt ist Artur Mas nicht mehr da, aber die Katalanen machen Nägel mit Köpfen, schreiten weiter vor in ihrem Weg zur Unabhängigkeit, die Politiker in Madrid sind dabei, die Nerven zu verlieren und das „katalanische Problem“ ist die Hauptursache für die spanische parlamentarische Krise.

Die Frage also wäre: warum jetzt so viele Katalanen meinen, ihr Wohl nur in der Trennung von Spanien finden zu können? Vereinfachend könnte man sagen: weil immer mehr der katalanische „Otto Normalverbraucher“ von den Folgen der katastrophalen spanischen Politik in Bezug auf Katalonien direkt betroffen wird. Ich werde hier nicht von den Versuchen reden die katalanische Sprache wieder in der Bildung und in den Medien zu benachteiligen, obwohl das einer der wichtigsten Gründe ist für den katalanischen Zorn. Sprechen wir hier nur von einigen wirtschaftlichen Daten.

Katalonien, mit 16 % der spanischen Bevölkerung, generiert ca. ein 20 % des spanischen BIP. In den letzten 30 Jahren bekam aber durchschnittlich nur ein 12 % der öffentlichen Investitionen der verschiedenen staatlichen, regionalen und provinzialen Institutionen.

Vom Total der staatlichen Ausgaben (unter Berücksichtigung der sogenannten „nicht regionalisierbaren Faktoren“, wie Armee, Zentralregierung, etc.) sollte Katalonien nach Bevölkerungszahl 7,65 % bekommen, hat aber immer durchschnittlich zwischen 3,7 und 4,7 % gekriegt. Einzige Ausnahme war 1992 mit den Olympiaden in Barcelona. Aus diesem Grunde bekam die Region 6,48 %.

In der Regel, die Region Madrid (mit 12 % der spanischen Bevölkerung und 15 % des spanischen BIP) bekommt, ca. 28 % der staatlichen Investitionen. Ein 135 % mehr als es nach Bevölkerungszahl angebracht wäre. Auch wenn man akzeptiert, dass die Funktion als Landeshauptstadt ein Plus gerechtfertigt, ist die Zahl zu hoch. Im Vergleich Paris bekommt (wegen dieser Funktion) ein 40 % mehr als es der Stadt nach Bevölkerungszahl zustehen würde.

Die staatlichen Investitionen in den Madrider Flughafen Barajas sind in der Regel sechsmal so groß wie in der von Barcelona. In den letzten 6 Jahren sind die Flughäfen von Madrid und Barcelona erweitert worden. Die Investition in Madrid hat 6,2 Milliarden € gekostet. In Barcelona 800 Millionen. Man rechnet damit, dass der überdimensionierte Madrider Flughafen erst in 20 oder 25 Jahren ausgelastet wird, während Barcelona schon jetzt ungenügend ist, obwohl der Staat die Ansiedlung von transkontinentalen Flügen in Barcelona boykottiert.

Die katalanischen Schüler (ein 15 % des Totals) bekommen oft nur ein 9 % der staatlichen Stipendien, und diese waren 20 % niedriger als der staatliche Durchschnitt.

Die Nahverkehrszüge in Katalonien, die unter spanischen Regie stehen, leisten einen miserablen Dienst. Verspätungen und Unterbrechungen in den Linien gehören zum Alltag. Währenddessen verpulvert der Staat Milliarden in Hochgeschwindigkeitslinien, die oft nicht mal ein 10 % Auslastung haben.

Die Quellen dieser ganzen Daten habe ich schon in dem ersten Artikel erwähnt und sind beileibe keine, die von katalanischer Parteilichkeit angeklagt werden könnten.

Die Liste könnte -leider- noch viel länger sein. aber ich möchte die Leser nicht ermüden. Nur eins noch: in den nächsten Monaten wird sich der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien bestimmt verschärfen. Glauben Sie dann nicht unbesehen den Stimmen, die den Katalanen verteufeln.

Mit einer föderalen Lösung wie in der Bundesrepublik wären die Katalanen vor 10 Jahren noch einverstanden gewesen. Die haben es sogar versucht. Spanien wollte das aber nicht und hat damit die letzte Gelegenheit verpasst, die Katalanen freiwillig im spanischen Staatsverband zu behalten.

Liebe deutsche Leser. Die Katalanen, die in die Unabhängigkeit streben, möchten aber gute Nachbarn Spaniens und Europas sein. Die erwarten nicht von anderen alimentiert zu werden, sondern mit ihrer Arbeit ein sehr aktives Mitglied in unserem Kontinent, und ein bescheidener aber entschlossener Verbündeter Deutschlands in allen europäischen belangen. Die Zeit wird es beweisen.

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