Die katalanische Generalitat. Was ist das?

Das weiss ich schon wird mancher (nicht katalanischer) Leser sagen: es ist der Name für die autonome Regierung der Region. Das aber, werte Leser, würde zu kurz greifen. Erlauben Sie mir Ihnen deswegen zu erläutern was hinter dieser Name steckt.

Man vertritt allgemein die Meinung, dass die Wiege des europäischen Parlamentarismus seit der Verkündung der Charta Magna im Jahre 1215, England ist. Das ist schon richtig, aber die Charta Magna sicherte nur die Interessen des Adels gegenüber der Krone. Weniger oder überhaupt nicht bekannt ist es, dass die katalanische Generalitat der erste Parlament Europas war in dem das Bürgertum auch Sitz und Stimme hatte. Der erster Name der Generalitat (dieser Begriff kam später) war “Diputació del General” was man als “Abordnung der Allgemeinheit” übersetzen könnte, ein Begriff der mehr einschloss als Kirche und Adel. Sie wurde 1359 in den katalanischen Stadt Cervera gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es, wie auch in anderen Staaten, nur ab und zu Versammlungen (Corts) von Vertretern des Adels und der Kirche, während in der übrigen Zeit der König und seine Minister das Sagen hatten. Mit der Generalitat gab es dann eine ständige Vertretung des Volkes geleitet von einem “Diputat en Cap” (Erster Abgeordneter, heute würde man sagen Parlamentsvorsitzender), der gleichzeitig nach und nach auch exekutive Funktionen übernahm. Die Generalitat also wurde der Schirmname für Parlament und Regierung Kataloniens und diese Bedeutung hat er heute nach wie vor.

Das Parlament der Generalitat (wie später die Stände im französischen Parlament) bestand aus drei “Armen”: dem militärischer Arm ( der Adel), dem kirchlichen Arm (die hohen Hierarchien der Kirche) und dem Volksarm (das Bürgertum). Von 1359 bis 1714, wurde der Vorsitz des Parlamentes von einem Vertreter des kirchlichen Armes besetzt, wahrscheinlich aus dem Glauben, dass ein Kirchenmann besser vermitteln würde, zwischen der Interessen des Adels und denen des Bürgertums. Ob es immer so war, sei dahingestellt.

Als nach mehr als 200 Jahre die katalanische Generalitat 1931 wieder ins Leben gerufen wurde, war sein erster Präsident, Francesc Macià, der 122. Präsident dieser Institution. Der heutige, Carles Puigdemont, ist der 130. Wenige europäische Institutionen können auf eine so lange und so gut dokumentierte Vergangenheit zurückschauen.

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4 Kommentare

  1. Wolfgang Dewor

    Ich räume diesem Artikel mehr Wahrheitsgehalt ein als Ihren Darstellungen:
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-04/carles-puigdemont-spanien-katalonien-europa-verteidigung-zukunft/komplettansicht
    Vielleicht setzen Sie sich mal damit auseinander.
    Kern für mich ist, dass die Separatismusanhänger keinesfall die Mehrheit der Katalanischen Bevölkerung darstellen. Selbst wenn, reicht das nicht aus, um den Rest in eine neue Staatsbürgerschaft zu zwingen. Ihr Herr Puigdemont ist keineswegs der Nioceguy, als den Sie ihn darstellen, sondern ein demokratiefeindlicher Spaltpilz. Das provokante „sich in Deutschland verhaften lassen“ spricht wohl für sich. Ich bedauere Katalonien zutiefst, was sich dank dieser Aktionen in ein Chaosland verwandelt hat.

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    • Pere Grau Rovira

      Sehr geehrter Herr Dewor,
      Drei Punkte Ihres (immer willkommenen) Kommentars bedürfen der Richtigstellung.
      1. Man wird erst feststellen können wie viele Katalanen die Unabhängigkeit wünschen, wenn man ein verbindliches Referendum machen kann, ohne Angst vor Schlagstöcke und mit der Gewähr, dass der Ergebnis von allen respektiert werden wird, sei es für oder gegen die Unabhängigkeit. Sie können es glauben oder nicht aber es gibt eine ganze Menge Bürger in Katalonien die für die Unabhängigkeit wären, wenn sie nicht eine große Angst von der spanischen Repression hätten. Und Spanien macht alles um diese Angst noch zu steigern.
      2. Kein Mensch wird zu einer neuen Staatsbürgerschaft gezwungen werden. Es ist klar genug gesagt worden, dass wenn jemand eine katalanische Staatsbürgerschaft annimmt wird seine alte behalten können. Und wenn jemand die neue Staatsbürgerschaft nicht nehmen möchte, würde als einziger Nachteil der Verzicht auf das Wahlrecht für das katalanische Parlament haben. Sonst nichts anderes.
      und 3.: Das Puigdemont „sich provozierend in Deutschland verhaften ließ“ ist nicht anderes als eine Hypothese von „Superschlauen“, die unhaltbar ist. Die Nachteile und Gefahren für Puigdemont sind zu groß um zu denken, dass ein kühler Denker wie er alles leichtsinnig in Kauf nahm.
      Sagen Sir mir aber weiterhin was Sie denken, bitte. Nur so ist es möglich Missverständnisse auszuräumen

      Pere Grau

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  2. Wolfgang Dewor

    Sehr geehrter Hett Grau,
    Ihren Thesen möchte ich schon widersprechen:
    1.Unser Eindruck war, dass seitens der Separatisten ein massiver Druck gegen diejenigen aufgebaut wurde, die nicht für die Separation sind, auch von Seiten der Separatisten wurde alles getan, um Stimmabgabe für Spanien zu verhindern.
    2.Sie möchten also vermitteln, das jemand, der sein Leben lang in Katalonien wählen konnte, dies auf einmal nicht mehr darf, wenn er nicht Katalane wird? Das ist für mich eine sehr eigenwillige Interpretation von Demokratie, eigentlich mehr eine Minderheitendiktatur.Eine ganz grundsätzliche Frage hier wäre, ob es zulässig ist, dass jeder Gesetze, Parlamentsentscheidungen, höchstrichterliche Urteile, also alles was in einem Staatswesen für einigermassen Ordnung sorgt,
    nach eigenem Geschmack annimmt oder nicht. Wenn nicht, dann wäre doch wohl jeder frei, generell eigene Entscheidungen als verbindlich zu sehen.
    3. Ich fühle mich durchaus nicht als Superschlauer. Dass jemand wie Puigdemont unbehelligt nach Schweden und Dänemark reisen kann, permanent überwacht übrigens, und dann ausgerechnet in Deutschland festgesetzt wird, von einem der bekannt laxen Deutschen Gerichte quasi freigelassen wird, riecht für Sie also nicht nach politischem Kalkül? Was hier geschieht heisst meiner Meinung nach Versuch der Entsorgung des Katalonienthemas in Europa auf kaltem Wege. Ich halte Herrn Puigdemont übrigends überhaupt nicht für leichtsinnig sondern für berechnend fahrlässig.
    In Summe: vielleicht könnten sich die aufgescheuchten Wogen in Katalonien etwas beruhigen und zu proagmatischer Politik zurückkehren. Wir hatten/haben ähnliche Prozesse im Baskenland, Irland, Korsika, vielleicht unterschwellig noch in einigen anderen Regionen. Wir leben im 21. Jahrhundert. Ich denke, lokales Kleinstaatendenken ist da nicht unbedingt angesagt

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    • Pere Grau Rovira

      Sehr geehrter Herr Dewor,
      Ich möchte Ihnen um Verständnis bitten, wenn ich hier nicht Ihren Kommentar beantworte, das die Antwort notwendigerweise lang sein muss. Deswegen werde ich es demnächst in einen Artikel tun. Bis dahin vielleicht bekomme ich noch ein Kommentar von Ihnen, dass ich mit beantworten kann?

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